Rückblick auf die Hüttenwanderung "Farrenstall"
10. bis 11. Juli 2004
"Geh aus mein Herz und suche Freud in dieser schönen Sommerzeit...."
(Zum Vergrößern der Bilder einfach draufklicken)
"Natur erleben, Landschaft lesen, unvergleichliche Eindrücke aus Weite, Himmel, Bergen, Wäldern, Ebenen und Tälern........"
Die 2-Tages-Hüttenwanderung der Ortsgruppe Ludwigsburg des Schwäbischen Albvereins war dieser Tage wieder besonderer Höhepunkt im Jahresprogramm.
Ziel von 16 Wanderfreunden war dieses Jahr das Albvereinshaus und Wanderheim "Farrenstall", das im Ausläufergebiet der "Blaubeurer Alb" und den anschliessenden "Lutherischen Bergen", zwischen Schelklingen - Ehingen - Munderkingen und der Gemeinde Weilersteußlingen liegt.
Samstag, 10. Juli 2004.
Grau verhangener Himmel, Regen, fast schon Hüttenwandertradition, konnte die Wanderer nicht abhalten, um mit der Eisenbahn Stuttgart-Ulm und dann den Ausgangsort der Wandertage, "Schelklingen",zu erreichen. Ohne Begrüssung und Vorstellung des ersten Wandertags hin zur Übernachtungsstätte "Farrenstall" durch die Wanderführer Werner Brekle und Klaus Ollig, gehen die Wanderfreunde nicht auf Tour! Die Strecke ist ja nicht vorgewandert und so ist man ganz dem Geschick der Führer, ohne eine Wanderkarte lesen zu können, ausgesetzt. Die sogenannten "relativ" guten, steilen, manchmal endlosen Wege sind ausserdem mehr oder weniger geschlossen miteinander zu gehen, um dann wohlbehalten ans Tagesziel zu kommen. Doch da waren die Wanderteilnehmer zuversichtlich! Zumal Werner Brekle zusätzlich noch einen Wanderfreund aus Ehingen vorstellen konnte. Herr Steingart ist Vorstand der Ortsgruppe Ehingen und so vorzüglicher Kenner der Gegend in der gewandert werden soll. So wurde auf dessen Vorschlag gleich der schön am Flüsschen Ach angelegte Wanderpfad, weg von Schelklingen, von hoch oben grüsst noch ein mächtiger Burgturm, hinein ins Tal nach "Urspring", begangen. Unterwegs dann von Wanderfreund Steingart anschauliche Unterrichtung über die Umgebung, z.B. dass das jetzige Achtal ursprünglich von der Donau durchzogen war. Die Flussführung sich dann aber durch Anstauung von mitgeführtem Gestein anderweitig seinen Weg gesucht hat und jetzt in dem uns bekannten Flussbett fliesst. Es entstand so ein Tal mit weitläufig grünen Auen, heute das Ach- und Urspringtal und welches in der Mitte einen sogenannten Umlaufberg, den "Lützelberg", hinterlassen hat. Wir kommen vorbei an der "Achquelle", welche sichtbar aus einem See emporquirlt und so mit dem Zusammenfluss des Urspringbaches das Flüsschen Ach bildet. "Urspring" wurde erreicht. Früher Kloster und nach Auflösung mit späterer vielfältiger Nutzung, ist die Anlage heute Internatsschule. Interessant erzählt Herr Steingart am ehemaligen Klosterteich und "Urspringquelle". Wenn der Weg nun auch weiterführend die Klosterhalde bergauf geht, entschädigt der Himmel uns jetzt mit Sonne. Vom Waldweg immer wieder schöne Ausblicke in die Ferne. Nicht schön die Sicht auf das riesig, graue, wie eine moderne Burg aussehenden Türme, das Zementwerk von Schelklingen. Wir kommen zu grosser Waldwiese, zum mauerbewehrtem ehemaligen Wirtschaftshof vom Kloster Urspring und zu mächtiger Linde in dessen Wipfel viele Bienen und Hummeln - nach Wolfgang die Bombus Terrae, richtig aber Bonnbinae Terrestris -, summen und brummen. Lustige Runde, inmitten bunter, zum trocknen aufgespannten Regenschirmen, beim Vesper und Durstlöschen. Wanderfreund Steingart unterrichtet über Historie und Geschichte der Umgebung. Mit Sang und Klang "Und wieder blühet die Linde"... nehmen wir Abschied von idyllischem Ort. Waldwärts, an "Muschenwang" vorbei, bald in Kehren die Eichhalde hinab ins "Schmiechtal" und dort entlang erreicht man "Talsteußlingen". Am Weg gemächlich laufendes grosses Wasserrad. Erinnerung an h arte Zeiten der Albbauern, als das Wasser noch auf die Hochflächen der Alb gepumpt werden musste. Wieder hinauf über Waldwege, wie auf der Schwäbschen Alb üblich, kommen wir zum auf grosser Waldlichtung liegenden alten Schlossgut "Neusteußlingen". Vielfach zerstört wurde das Anwesen um 1900 von privater Hand erworben und nach alten Plänen wieder aufgebaut. Die Anlage ist jetzt schönes beschauliches Domizil inmitten Blumengärten und grossen Waldwiesen. Man kommt vollends auf die Höhe, hinaus zum Wald. Wir sind jetzt auf den "Lutherischen Bergen". Trotz Trink- und Verschnaufpausen wird langsam der Wunsch nach dem "Farrenstall" laut. Herrlicher Rundblick. Hochebene mit Kornfeldern, Wiesen, Weilern. In der Ferne ein Wasserturm. Lichtblick, denn dort etwa soll das Ziel des ersten Wandertages liegen. Nochmals auf und ab, links Ennahofen, endlich sind wir beim Wasserturm, rechts unter Obstbaumwiesen das Dorf Grötzingen und da geradeaus im Tal ein langgestrecktes Anwesen, neu, frisch, beim Eingang gemaltes Albvereinszeichen, wir sind da! Hurra ! Der "Farrenstall", unser Tagesziel ist erreicht! Wie wir später hören war das Anwesen tatsächlich der ehemalige Farrenstall für die umliegenden Ortschaften. Nach Schließung, wurde Stall, Scheuer und Wohnung von der Albvereinsgruppe Weilersteußlingen und dessen Musikverein erworben. Dann Aus- und Umbau zum größten Teil in eigener Regie und Arbeitseinsatz. Ein schmuckes, von ehrenamtlichen Fachkräften in jeder Hinsicht auch individuell wunderbar gestaltetes, Wanderheim entstand. Ein Haus das jetzt auch in vielfältiger Weise genutzt wird: Trachtentanzgruppe, Jugendzusammenführung, Wanderführerausbildung und Schulung. Übungs-und Zusammenkunftsräume für den Musikverein. Hochachtung und Anerkennung für die Personen die dieses Werk geschaffen haben und weiterbetreiben! Für uns Wanderer zum Schluss des Tages also ein wunderschöner Übernachtungsort. Einquatierung, frischmachen, die Küche bietet ein reichlich und gutes Abendessen, die Theke ausreichend Durstlöscher, was wollen wir mehr. Reich an Tageseindrücken, mit Lied- und Pflanzenratespiel, Witz und humorvollen Texten, mit allem zufrieden, klingt der Tag aus und müde geworden schläft man in den neuen Tag hinein.
Sonntag, 11. Juli 2004.
Raus aus den Federn! Abwägender Blick aus dem Fenster. Grau, wolkig, noch scheint die Sonne nicht. Na ja, schaun mer mal. Bald sind die Betten abgezogen, der Rucksack gepackt, gefrühstückt, bedankt für freundlich gute Bewirtung und Unterkunft und schon klingt das Abschiedslied : Nun sing mir ein Lied dass ich scheiden muss... Zum Wiedereingewöhnen geht es gleich den Berg hinauf nach Weilersteußlingen. Dort wird die Wanderkarte zu Rate gezogen, denn noch hat man uns nicht gesagt wo's lang geht? Ja....ja...! Also, wir gehen jetzt zunächst durchs Rauhtal. Romantische Waldstrasse mit Felsabstürzen am Weg, mit einer Höhle, welche einst der "Kätherenfamilie" Unterschlupf gewährte. Unterwegs erfahren wir, dass auch schon zu früheren Zeiten Familien, ob ihrer angeblichen Eigenheiten, aus Ortschaften ausgewiesen worden sind. Als wir im Wald an der entsprechenden Stelle vorbeikommen kann man sich kaum vorzustellen wie man in den überhängende Felsnischen hat leben können. Später eine weitere Felshöhle abseits vom am Weg, die "Kätheren Küche". Küche, Wohn-und Schlafraum alles beieinander, rauher harter Kalkstein, kaum windgeschützt, die Schlafstatt ist mit dichtem Moos ausgelegt und ladet zum Schlafen ein. Alles, wie vieles andere, wird im Foto festgehalten. Wir müssen allerdings weiter, hinein ins Brieltal, über weite Felder und Wiesen mit wunderbarem Blick in die Landschaft, so gelangen wir bis zum Ort "Kirchen". Es geht der Mittagszeit entgegen, die Mägen sind leicht am knurren, die Kehlen am vertrocknen. Im "Hirsch" fand man erstklassige Unterkunft. Essen und Trinken mundete vorzüglich. Ein Mittagsschläfle wäre jetzt gut. Doch zur gegebener Zeit müssen wir einfach weiter. Unterwegs wird ein riesiger Steinbruch umgangen und und wir kommen zum "Schloss Mochental". Auf einer Felskuppe steht das als Sommersitz der Herren des Klosters Zwiefalten errichtete grosse barocke Anwesen. Im Torbereich die landwirtschaftlichen Gebäude, im neu restaurierten Schloss selbst ist jetzt eine Galerie alter und moderner Kunst eingerichtet. Ein Besenmuseum lädt ebenfalls zur Besichtigung ein. Die Zeit dazu ist zu kurz. Nur Trinkpause und neugieriges Schauen, dann müssen wir den Berg hinab. Dort grosse Aufregung: Eine grosse Kuhherde mit einem eifersüchtigem, kraftstrotzenden wilden Stier verstellt uns den Pfad. Eilends gehen wir den Attacken und den grollend schnaubenden Muhrufen des Stiers und seinen Lieblingsfrauen über Zäune, hinüber und herüber, aus dem Weg. Manch einer bekommt dabei vom geladenen Zaun einen Stromschlag. Im Tal nochmals Blick zurück. Die Viehherde zieht wieder gemächlich über die Weide. Erhaben, stolz, blickt die Schlossfassade hochoben zu uns herab. 365 Fenster soll das Gebäude haben, sodass der Fürstabt jeden Tag aus einem anderen Fenster blicken konnte. Unterwegs dazu noch manch geistlich humorvolle Unterhaltung. Die Wege ziehen sich jetzt in die Länge. Wir kommen auf die letzte Hochfläche. Wieder weiter Blick über das Land. Dort der Bussen, einzelner Berg inmitten der Landschaft, Wallfahrtsort und oberschwäbisches Wahrzeichen. Dort die Türme vom Kloster Obermarchtal. Die letzten Feldwege, entlang grosser Kornfelder, werden gegangen. Vorbei an einer barocken "Frauen-Wallfahrtskirche", mit legendenhafter Geschichte, gelangen wir dann nach "Munderkingen", an der Donau liegend, hinunter. Wir sind am Ziel des Wandertags und die 2-Tageshüttenwanderung 2004 ist zu Ende. 
Den Wanderführerern Werner Brekle und Klaus Ollig wird herzlicher Dank gesagt. Sie haben es verstanden und es ist Ihnen wunderbar gelungen, uns wieder durch einen weiteren schönen Teilabschnitt der schwäbischen Alblandschaft zu führen. Unserem treuen Weggefährten und jeder Zeit auskunftsfreudigen Kenner seiner Heimatlandschaft und seiner Geschichte, Herr Steingart, sei ebenfalls von Herzen gedankt.
Zufrieden kehren wir heim und freuen uns jetzt schon auf die nächsten, die ....igsten Hüttenwandertage im Jahr 2005.
(Im Juli 2004 - Wolfgang Staudenmayer)
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