Logo - Schwäbischer Albverein - Ortsgruppe Ludwigsburg
Schwäbischer Albverein - Ortsgruppe Ludwigsburg
 
../whatsnew.htm
 

Rückblick auf die Wanderung
vom 26.09.2004

Höhenprofil der WanderungAlle reden vom Wetter, auch Wanderer tun das gelegentlich! Bei der Anmeldung wussten zwar die Teilnehmer, worauf sie sich einlassen würden, denn die Wetteraussichten waren mies und in der Ausschreibung zur Route wurde auf die Höhenunterschiede hingewiesen. Trotzdem freuten sich 33 Wanderer auf eine Tour in einer äußerst anmutigen Landschaft, den Löwensteiner Bergen, einer der bezauberndsten Gegenden in unserem Umkreis. Doch leider, leider – das Wetter hielt sich an die Prognosen, die Sicht war vom Nebel verschleiert und einen Eindruck von der Schönheit der Landschaft bekamen wir erst zum Schluss – kurz vor dem Ziel in Spiegelberg. Aber hübsch der Reihe nach:

Ankunft mit der Bahn um 09:15 Uhr in Sulzbach/Murr, diese Station noch im Streckennetz der VVS enthalten. Übliche Begrüßung, diesmal vom Wanderführer-Ehepaar Irene und Heinz Heß. Die eigentliche Wanderung beginnt nach dem Überqueren der B 14. Wir stapfen durch total nasses Gras und dann geht es mit aufgespanntem Regenschirm durch den Wald bergauf. Von oben rieselt unaufhörlich ein Sprühregen. In den Bäumen hängen dünne Nebelschwaden. Alles ist klatschnass. Sicherlich, man kann auch einem verregneten Wald etwas Schönes abgewinnen. Das Laub an den Bäumen glänzt staubfrei, die Tropfen hängen wie Bergkristalle an den Blättern und aus dem Boden schießen ganze Kolonien von Pilzen. In den Bächen sprudelt reichlich klares Wasser. Für den Teint ist die feuchte Luft ein wahrer Jungbrunnen. Das ist alles schön und gut – mal für ein, zwei Stunden oder höchstens drei! Danach wird es ungemütlich! Die Nässe kriecht in die Kleider, sie geht unter die Haut und schlägt auf den Kreislauf und/oder aufs Gemüt. Sei’s drum – wir waren unterwegs und mussten das Beste daraus machen.

Oben auf dem Berg in der Nähe des Senders Wilhelmsheim legten wir eine kurze Pause ein und unser Wanderführer Heinz Heß hätte uns gerne die Aussicht erklärt, wenn nicht eine dicke Wolke uns diese genommen hätte. Doch was ein rechter Wanderführer ist – und als einen solchen würdigte ihn zu Recht Klaus Ollig, selbst einer der besten – lässt auch bei mangelnder Sicht eine Wanderung zum Erlebnis werden. So erklärte er uns eben die Dinge, die wir am Wegesrand vorfanden. Er erzählte, was es mit der Bucheiche und dem Königsstein auf sich hat und machte uns auf diese oder jene Pflanze aufmerksam. Mir selbst ist der Schachtelhalm in Erinnerung geblieben, ein Urgewächs in der Pflanzenwelt, und das Springkraut, das seinen Samen bei Berührung oder Erschütterung explosionsartig in die Umgebung katapultiert. Ab der Wegekreuzung, wo die Bucheiche steht, ging es wieder abwärts und wir kamen ins Tal der Winterlauter. Hier machten wir einen Abstecher zu dem Wetzsteinstollen (auf der verlinkten Website 7. Abschnitt), später auch Geisterstollen genannt. Durch den Abbau des feinkörnigen Sandsteins, der als Schleifstein verwendet werden konnte, verdienten sich die armen Waldbauern ein Zubrot. Aber auch damals wurden die Leute schon übers Ohr gehauen: man verkaufte ihnen Rechte an Minen, in denen sie Silber vermuteten, wo in Wahrheit nur schöner Schein war. Auf diese Weise hat auch Schillers Vater sein Geld verloren.

Hier unten an der Winterlauter waren wir an einem tiefen Punkt angelangt und das bedeutete, dass wir den zweiten Anstieg dieser Wanderung bewältigen mussten, denn wir wollten ja auf den Juxkopf. Den Turm zu besteigen, machte an diesem Tag keinen Sinn, aber in der Hütte wurde uns kräftig eingeheizt, war es nun durch den Kohleofen oder mit Schnäpschen oder einfach durch das enge Beieinander. Nach dieser Rast die Wanderung fortsetzend war unser Ziel nun der Ort Spiegelberg und der lag genau genommen nur einen Steinwurf weit entfernt zu unseren Füßen. Doch so leicht sollten wir nicht davonkommen! Nein, die Einkehr in Spiegelberg mussten wir uns erst verdienen!! Und wen es vielleicht nach dem Verlassen der überheizten Stube gefröstelt hatte, dem wurde mit Sicherheit bei einem abenteuerlichen Abstieg durch die Hüttenwaldschlucht hinunter zur Kreisstraße 2096 wieder warm. Nach Überquerung der Straße folgte der dritte und letzte Aufstieg dieser Wanderung und mit einem nochmaligen Abstecher zu einem ehemaligen Silberstollen gelangten wir parallel zum Lautertal über die Obere Roßstaig nach Spiegelberg. Nach Austritt aus dem Wald hatten wir dann endlich den ersten und einzigen schönen Ausblick dieses Tages. Bei der Schlusseinkehr erholten wir uns recht schnell von den Strapazen und alle waren sich einig, dass wir trotz widriger Umstände mal wieder eine wunderschöne Wanderung erlebt hatten. Im Namen aller bedankte sich Klaus Ollig bei den Wanderführern Heinz und Irene Heß. Scherzhaft wurde auf dem Bahnsteig vorgeschlagen, dass wir im nächsten Jahr die Wanderung in umgekehrter Richtung wiederholen sollten. Warum eigentlich nicht? Ich wäre dabei!

Noch eine kleine Anmerkung am Rand: Am Abend hatte der Zug Verspätung. Unser Wanderguru Klaus nutzte diese Zeit, um uns endlich aus dem Tal der Ahnungslosen herauszuholen – ahnungslos nämlich in der Funktionsweise und der Handhabung moderner Wanderstöcke, diesen Hightechdingern! Dank seiner Unterweisung wissen wir jetzt alle Bescheid.

 

(Dorothea Göhler)