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Rückblick auf Wandertage auf den Inseln Sylt und Föhr
vom 07. bis 12. Oktober 2004

(Zum Vergrößern der Bilder einfach draufklicken)

Bild1Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen. Die Herbstausfahrt vom 07.10. –12.10.2004 war zwar nur eine kurze Reise, doch voller Eindrücke und Erlebnisse, sodass ich meine Gedanken sortieren muss, um sie geordnet und verständlich auf Papier zu bringen – besser gesagt: auf die Festplatte des PCs.

So verschieden die 33 Teilnehmer waren, so unterschiedlich waren auch ihre Motive für die Reise. Die einen waren noch nie auf Sylt und Föhr gewesen und wollten beide Inseln mal kennenlernen, die anderen verbanden schöne Erinnerungen damit, und wollten diese auffrischen, und wieder andere zieht es in regelmäßigen Abständen an die Waterkant. Mit von der Partie war auch Rosl Wiedmann von der Oberndorfer Partner-Ortsgruppe, sowie unser Günter ohne h, bestens bekannt als bewährter Busfahrer und in Niebüll wartete bereits das Ehepaar Büchelmaier aus Hamburg auf uns, das seit Jahren Verbindungen zu Ludwigsburg pflegt und auch schon mit dem Albverein mitgewandert ist. Herrn Büchelmaiers Interesse galt hauptsächlich der Vogelwelt auf den Inseln.

Die Anfahrt am Donnerstag mit der Bahn verlief reibungslos. Mit den Anschlüssen klappte es bis auf eine kleine Verspätung in Hamburg einwandfrei. Beim Ein- und Aussteigen war uns der Günter eine große Hilfe. Er packte tatkräftig zu, lud Koffer ein und aus und verstaute sie fachgerecht. Nach etwas mehr als fünf Stunden Fahrt war Hamburg erreicht. Vom Zug aus erhaschten wir einen Blick auf die Binnenalster und die Speicherstadt, bevor wir am Dammtor in den Zug nach Niebüll umstiegen. Noch 2 ½ Stunden sollte unsere Fahrt dauern. Der Nord-/Ostseekanal, den wir überquerten, vermittelte einen Hauch von großer, weiter Welt und ganze Wälder von Windkrafträdern verrieten uns, dass die Nordseeküste nicht mehr weit war. Am Bahnhof von Niebüll stand dann unser Gepäck da wie bestellt und nicht abgeholt und wohl oder übel mussten wir selbst Hand anlegen und mit ihm zu dem nicht weit entfernten Hotel „Niebüller Hof“ marschieren. Rasch erkannten wir, wie günstig dieses für die Proviantbeschaffung gelegen war, mitten in der City – Metzger, Bäcker, Supermarkt, alles war im Nu erreichbar.

Am Freitag dann erster Besuch auf Sylt. Mit dem Zug ging es über den Hindenburgdamm nach Westerland. Auf dem Bahnhofsvorplatz mischte sich unser Wanderführer Werner Brekle unter die dort aufgestellten windschiefen grünen Friesenfiguren, mit den ebenfalls windschiefen Laternen vermutlich als ein „Gesamtkunstwerk“ einzustufen, und hielt eine Begrüßungsansprache und siehe da, das Ehepaar Edith und Willi Müller aus Steinheim gesellte sich dazu. Die beiden machten gerade Urlaub auf Sylt und das schon zum 10. Mal, sodass sie mit ihren Ortskenntnissen unserem Wanderführer Werner ergänzend zur Seite stehen konnten. Nachdem wir die Friedrichstraße zum Strand hinunterflaniert waren, ließen wir uns dort den kräftigen Wind um die Nase wehen. Bild2Eine Kopfbedeckung war an diesem Tag unverzichtbar, dennoch waren wir über das trockene Wetter froh, denn wir wussten, dass es daheim in Strömen regnete. Ein Gang nach Wenningstedt vermittelte uns erste Eindrücke von den breiten Stränden mit herrlich weißem Sand, der Meeresbrandung, den Dünen, der rauen Luft. In Wenningstedt wurde dann der Hunger mit Fischbrötchen von „Gosch“ gestillt, was in den darauffolgenden Tagen obligatorisch werden sollte. Für die einen mit Bus, für die anderen jenseits der Dünen zu Fuß unter der Führung von Willi Müller ging es zurück nach Westerland. Dort stand am ZOB schon der Bus bereit für eine Inselrundfahrt. Der Busfahrer redete ununterbrochen und wir erfuhren viel über die geologische und botanische Beschaffenheit der Insel, den weißen, grauen und braunen Dünen, über die Ortschaften und die Häfen, über die Promis und die einschlägigen Restaurants und vieles mehr. In List hatten wir Gelegenheit, in der Markthalle von „Gosch“ einzukaufen oder den kleinen Hafen zu besichtigen. Von hier aus konnte man auch rüber zu dem sogenannten Ellenbogen mit seinen zwei Leuchttürmen sehen, dem nördlichsten Teil sowohl von der Insel als auch von ganz Deutschland. Der zweite Stopp galt der Kirche St. Severin in Keitum. Dann fuhr der Bus über Rantum nach Hörnum, dem südlichsten Ort der Insel. So erhielten wir einen guten Überblick über die gesamte Insel.

Bild3Am nächsten Tag, dem Samstag, wollten wir diesen vertiefen, d.h. nicht alles flüchtig an uns vorüberziehen lassen, sondern selbst erwandern. Von Westerland aus fuhren wir diesmal mit dem Linienbus bis Hörnum. Von hier aus stapften wir durch den weichen weißen Sand, immer am Strand entlang, zunächst in südliche Richtung, machten den Bogen um die Südspitze, sodass wir uns nach ca. 3 Stunden in nördliche Richtung bewegten. Tetrapoden, die der Strandbefestigung dienen, boten uns zur Mittagszeit geeignete Sitzgelegenheiten für eine Rast und die Fischbrötchen wurden ausgepackt. Die Sonne tauchte Meer, Strand, Dünen in gleißendes Licht, dass man schon fast geblendet war und die Meeresbrandung toste in unseren Ohren. Herrlich – eine Mittagspause, wie man sie nicht alle Tage hat! Bevor wir den Strand verließen, rezitierte Ingrid Brekle die Ballade „Nis Randers“ von Otto Ernst. Es brauchte hier an der Küste nicht viel Fantasie, um die Sorge der Mutter um ihren Sohn nachzuempfinden. Später erklommen wir dann die Dünen, die grauen mit dem Strandhafer und die braunen mit Heidekraut bewachsen, wie wir am Vortag gelernt hatten. Von oben bot sich uns eine ausgezeichnete Übersicht über die Insel bis nach Westerland. Ich muss gestehen, dass ich hier zwiespältige Gefühle hegte. Die vielen Kasernen, selbst Erholungsheime wirkten kasernenähnlich, und die karge Dünenlandschaft wirkten auf mich nicht besonders einladend und ich fragte mich, wieso es so viele Menschen immer wieder auf diese Insel zog. Deshalb war ich gespannt auf den nächsten Tag, da stand Föhr auf dem Programm und immer wieder hörte ich, Föhr sei ganz anders, Föhr sei die „grüne Insel“. Bild4
Doch der Tag war noch nicht zu Ende. Uns erwartete am Abend ein Vortrag des Journalisten und Autors Uwe Sönnichsen zu dem Thema „Die große Flut“. Herr Sönnichsen selbst war schon ein Erlebnis, ein kauziger, aber nicht unsympathischer alter Herr, der mit seiner Meinung nicht hinter dem Berg hielt. Donnernd verkündete er, dass Heide Simonis – die Dame mit den Hüten! – die Böse ist und Helmut Schmidt der Gute, dass man alles selber machen muss und dass die Jugend längst nicht so schlecht ist, wie uns die Medien weismachen wollen. Dann wiederum mit gedämpfter Stimme, aber umso eindringlicher, schilderte er uns in bewegenden Worten und anhand von dramatischen Dia-Aufnahmen den ewigen Kampf des Menschen gegen die Naturgewalten, berichtete von verheerenden Sturmfluten und wie die Menschen mit dem Erbauen von Deichen die Ortschaften davor schützen und mit immer neuen Sandaufschüttungen dem Schwund der Insel Einhalt gebieten wollen. Und aus jedem seiner Worte war die Sorge und die Verbundenheit um und mit seiner Heimat zu spüren.

Am Sonntag also nahmen wir den Zug in südliche Richtung nach Dagebüll und setzten von dort mit der Fähre über nach Wyk auf Föhr. Der Ferienort Wyk mit seiner hübschen Strandpromenade und den kleinen Boutiquen und Souvenirläden fand sofort unser Gefallen. Glücklicherweise hatten wir keine Zeit, unseren Geldbeutel zu erleichtern, denn weiter ging’s hinunter zum Strand und auch diesmal wanderten wir etliche Kilometer am Strand entlang, teilweise auch über das Watt, denn es war gerade Ebbe. In der Ferne sahen wir die Warften der Halligen liegen. Man erkannte sie jetzt besser als im Bild5Frühnebel vom Schiff aus. Nach einer Mittagspause am Rande der Dünen erreichten wir den jenseits der Dünen gelegenen Ort Nieblum. Und hier zeigte sich die „grüne Insel“: die Wege oft von hohen Hecken und Sträuchern gesäumt, die entzückenden roten Backsteinhäuser alle von üppigen Gärten umgeben, dass es eine Pracht war! Unser Wanderführer führte uns zu der Kirche St. Johannis, der größten auf den nordfriesischen Inseln und deshalb auch Friesendom genannt. Nach deren Besichtigung trennte sich die Gruppe, die einen nahmen den Bus nach Wyk, die anderen wanderten über Land zurück. Hier im Inneren der Insel erschien mir alles so „normal“, Wiesen, Felder, Baumgruppen alles wie andernorts auch, und plötzlich freute ich mich wieder auf Sylt, auf seine Andersartigkeit!

Am Montagmorgen passierten wir ein drittes und letztes Mal den Hindenburgdamm und stiegen in Westerland in den Linienbus nach Wenningstedt um. Spätestens hier registrierte ich, wie hervorragend alles organisiert und vorbereitet war, alles lief immer wie am Schnürchen ab. Das Wetter war uns auch an diesem Tag gewogen, wenn es auch nicht mehr ganz so wolkenlos war wie an den vorangegangenen Tagen. Jedenfalls machte es uns so frohgestimmt, dass wir in der Friesenkapelle, unweit des Hünengrabes Denhoog gelegen, unversehens den Kanon „Lobet und preiset ihr Völker den Herrn“ anstimmten. In dieser Kirche fiel mir die außergewöhnliche Gestaltung des Kreuzes auf. Es ist durch die Anordnung von Keramikfliesen dargestellt. Nach dem Kirchenbesuch nahmen wir Kurs auf den Strand und wanderten am Roten Kliff entlang bis zur Uwe-Düne, von der wir eine herrliche Rundum-Aussicht über die ganze Insel genießen konnten. Wer genau hinsah, konnte den Leuchtturm von Hörnum erkennen. Unterhalb der Düne liegt dann der Nobelort Kampen – Sie wissen ja: „es war schon immer etwas teurer...........“ – und wir bewunderten kurz die Auslagen in den Geschäften und die Anwesen der ungenannten Promis. Auch wir wollten es uns gut gehen lassen und kehrten bald danach in der „Kupferkanne“ ein, ein Muss für jeden Sylturlauber. Zunächst unscheinbar wirkend Bld6vermutet niemand hinter dem Eingang die Weitläufigkeit der vielen künstlerisch gestalteten, behaglichen Ecken, Nischen und Grotten, die kurz nach Kriegsende in einem im Erdreich eingelassenen Bunker entstanden sind. Doch bald strebten wir wieder ins Freie und über Holzstege und zuweilen –stufen, die überall auf Sylt errichtet wurden, damit nichts von der gewachsenen Natur zerstört wird, durchwanderten wir die Braderuper Heide. Und ganz besonders hier war ich verzaubert von der Weite und der herben Schönheit der Insel. Über Munkmarsch mit seinem kleinen Hafen und dem zu einem Hotel umfunktionierten alten Fährhaus gelangten wir nach Keitum. In diesem beschaulichen Ort findet man fast ausschließlich Häuser in der für Nordfriesland typischen Bauweise, kleine reetgedeckte, rote Backsteinhäuser mit einem zusätzlichen Giebel über der Haustür an der Frontseite des Hauses. Zum Teil sind es alte Kapitänshäuser, die hier noch Bestand haben. In der St.-Severin-Kirche lauschten wir kurz einem Orgelspiel und besuchten das ansässige Friesenmuseum, das die Lebensweise der Einheimischen um die vorletzte Jahrhundertwende veranschaulicht. Zuguterletzt servierte uns das Ehepaar Müller zum Abschied vor ihrer Ferienwohnung einen Schnaps, bevor wir ein bisschen wehmütig vom Bahnhof Keitum aus die Rückfahrt nach Niebüll antraten.
Wir hatten viel gesehen und erlebt an diesem Tag. Doch am Abend wurde noch eins draufgesetzt. Sogar der Koch, der uns jeden Abend eine Einführung in seine Menufolge gab, überraschte uns mit einem besonderen Süppchen, der Dithmarscher Hochzeitssuppe, eine in Rotwein und Holunder angesetzte Graupensuppe mit Backpflaumen und Rosinen. Noch während wir speisten, hatte ein Alleinunterhalter seine Musikinstrumente aufgebaut und trieb dann die ohnehin gehobene Stimmung auf die Spitze. Bild7Nach der von Herrn Büchelmaier gehaltenen Laudatio auf alle beteiligten Wanderführer wurde getanzt nach dem Motto „je oller, je doller“ und Herr Büchelmaier – 80 Jahre jung - wirbelte temperamentvoll die Jutta im Kreis herum - oder war es umgekehrt? An den permanenten Frauenüberschuss gewöhnt griffen die Frauen zur Selbsthilfe und forderten sich gegenseitig zum Tanz auf. So kamen alle auf ihre Kosten.

Nach dem Aufladen der Gepäckstücke ergab sich am Dienstagmorgen eine Zeitspanne von einer Stunde bis zur Abfahrt mit dem IC nach Hamburg. Ein letztes Mal konnte man in der Niebüller City eine Runde drehen, sofern man nicht vom eiskalten Wind davon abgehalten wurde. In Hamburg konnten es dann einige kaum erwarten, in den ICE zu gelangen – nein nicht aus Heimweh! Es kribbelte in den Fingern, um nach allen Regeln der Kunst eine Partie Rommé zu spielen. Bis Frankfurt dauerte das Spiel, dann kam man sowieso in Aufbruchstimmung – nur noch ein Halt in Mannheim, dann hatte uns in Stuttgart die Heimat wieder. Ein letztes Mal umsteigen und pünktlich wie vorgesehen um 19 Uhr waren alle wohlbehalten wieder in Ludwigsburg.

Wieder mal war ein Urlaub vorüber. Bleiben wird eine lebhafte schöne Erinnerung, die sich tief in unserem Gedächtnis eingeprägt hat.

(Dorothea Göhler)