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4-Tageswanderung "Prälatenweg" (mit dem Bus)
vom 5. Mai - 8. Mai 2005
geführt von Irmi und Norbert Tauscher

(Zum Vergrößern der Bilder einfach draufklicken)

Kirchen PrälatenwegDer Prälatenweg führt von Marktoberdorf im Allgäu von West nach Ost durch den Pfaffenwinkel und endet nach 140 km bei Kochel.

Prälatenweg:
Der Name kommt von den Klöstern entlang der Route.

Pfaffenwinkel:
Wegen der 159 Kirchen, dazu Klöster und Kapellen. Er liegt im bayerischen Alpenvorland zwischen Ammer und Lech.

Wir erwanderten in diesem Jahr den ersten Teil des Prälatenweges mit 70 km an 4 Tagen. Der zweite Teil ist zwei Jahre später geplant.

Günter König startete am 5. Mai 2005 mit uns 50 Wanderern in einem Spillmann-Bus um 6.45 Uhr in Ludwigsburg.

Herr Tauscher begrüßte uns und zitierte den bayrischen Wetterbericht. Danach sollte man bei diesem kalten, regnerischen Wetter mit Schneefallgrenze bis 1000 m lieber die vier Tage zu Hause im Bett bleiben.
Aber gleich im voraus: So viel hat's nicht geregnet. Die Sonne schien immer wieder, wir haben die Wanderungen in dieser Landschaft sehr genossen.

Die Anfahrt ging über Ulm, Memmingen, Buchloe, Kaufbeuren
bis Bertoldshofen. Schon um 10 Uhr besichtigten wir dort die Pfarrkirche St. Michael (entstanden 1727 - 1733 - Spätbarock).

PrälatenwegDann begann die Wanderung über Burk mit Kirche St. Sebastian (spätgotischer Bau mit Rokokoausstattung). Weiter über die Weiler Settele und Buchen mit barock ausgestattetem Kirchlein in der Nähe. Danach kam der Aufstieg ca. 40 Minuten zum Auerberg (1055 m). Wer wollte, konnte auch im Bus nach oben fahren.

Da merkten wir schon, welchen Luxus wir mit der ständigen Busbegleitung hatten. Wir konnten unbeschwert ohne Rucksack wandern. Längstens nach 2 Stunden Wanderzeit trafen wir den Bus wieder. So hätten wir einen Regenguß abwarten können. Auch Getränke und Vesper waren immer in der Nähe.

Das Wetter war wechselhaft. Oben angelangt, schien die Sonne. Ein herrlicher Rundblick auf die Alpenkette! Auf diesem markanten, schon keltisch besiedelten Berg steht die Wallfahrtskirche St. Georg.

Vom Auerberg gings im Gänsemarsch auf trockenem, schmalem, oft mit Wurzeln durchzogenem Pfad zum Bus hinunter. Nach dem Weiler Strass, oberhalb von Bernbeuren gelegen, war genügend Zeit, heute schon das ehemalige Kloster Steingaden zu besichtigen. Mit seinen zwei Türmen ist es unverwechselbar.

PrämonstratenserklosterDer hl. Norbert von Xanten hat 1120 den Prämonstratenserorden gegründet. Die Deckenfresken im Hochschiff zeigen seine Lebensgeschichte. Das Prämonstratenserkloster wurde 1147 gegründet. Die doppeltürmige dreischiffige Pfeilerbasilika mit Vorhalle (15. JH.) hat äußerlich ihre romanische Bauform erhalten. Innen haben die Gotik und vor allem das Barock die Substanz verändert. Ein Teil des Kreuzganges blieb erhalten.

Wir sind heute ca. 15 km gewandert. Um 17 Uhr waren wir am Ziel. Die Zimmer-Nummern wurden bei Zeit verteilt, so verlief bei Ankunft im Gasthof Haslacher in Böbing alles reibungslos.

Und morgen gibt es eine Überraschung!

O je. Heute morgen, 6. Mai.: Regen, 7 Grad C.
Frau Tauscher begrüßte uns: "Einen schönen feucht-fröhlichen Wandertag!"
Um 8.30 Uhr starteten wir mit dem Lied: Wer recht in Freuden wandern will...
Wir fuhren über die Echelbacher Brücke, tief unten in der Schlucht fließt die Ammer; dann noch über die Lechbrücke mit dem Flößerdenkmal und begannen bald mit unserer Wanderung Angerhof, Lechbruck, Urspring, Steingaden, Wieskirche.

Siehe da, nach einer halben Stunde Wanderung hat es aufgehört zu regnen.

Wie jeden Tag genossen wir die hügelige Landschaft mit dunklen Waldrücken und grünen Wiesen. In Lechbruck wartete der Bus zur Apfelpause. Wir sind dem Lech entlang gewandert, an dieser Stelle mit Wildwassercharakter, wieder über die Lechbrücke und am anderen Ufer zurück auf idyllischem Gänsemarschweg am Lechstausee zur Mittagspause am See bei Urspring.
Kaffeeduft aus der Bordküche!

Nach der Mittagspause gings weiter nach Steingaden (Kloster haben wir ja schon besichtigt). Der Bus stand wieder bereit, so dass wir unsere Wanderstöcke für den Brettl-Weg holen konnten.

PrälatenwegNach dem Aufstieg durch den Wald balancierten wir über schmale Bohlenbretter durch das Moorstück mit seinen Latscheninseln und vollgesogenen Moospolstern, dann tauchte plötzlich in Gelb und Weiß die Wieskirche auf. Sie steht da riesig mitten in den Wiesen, nur von ein paar Häusern (30 Einwohner) umgeben.

Zur Führung waren wir zu früh angekommen. Da kehrten wir für eine Stunde zu Kaffee, Kuchen usw. ein.

Der Pfarrer der Wieskirche führte selbst.
Die Kirche ist außen schlicht, um so überwältigender die Pracht, der man plötzlich gegenübersteht, wenn man durch das kurze Vorhaus in das hohe, lichtdurchflutete, fast ovale Langhaus tritt. Man braucht viel Zeit, um die Augen durch diesen Raum wandern zu lassen.

Wir nahmen Platz, und der Pfarrer erklärte uns die Wallfahrtskirche zum Gegeißelten Heiland vom Ursprung an. Die Wieskirche ist das Hauptwerk des bayerischen Rokoko und eine der beliebtesten Kirchen Bayerns. Die UNESCO stellte das weltbekannte Baudenkmal unter Schutz.

Bei Sonnenschein und Blick auf die schneebedeckten Berge fuhren wir zurück nach Böbing. Wir waren durchgefroren - die Kirche wird nicht beheizt.
16,4 km sind wir heute gewandert.

Zum Abendessen gabs Blumenkohlsuppe, Salat, Fisch oder eine riesige Schweinshaxe, die noch ein Vesper für den kommenden Tag abgab, Creme-Nachspeise.

Volkstanz, Gesang und MusikUnd dann kam die Überraschung:
Um die zwanzig Akteure unterhielten uns den ganzen Abend mit Volkstanz, Gesang und Musik. Mit Eifer tanzten die Kinder in der Volkstanzgruppe mit den jugendlichen Paaren mit. Zwei Schwestern mit Zopffrisur sangen zweistimmig Heimatlieder. Ihr Vater begleitete auf der Zither. Er ist Gau-Musikwart und arbeitet mit, dass das Brauchtum erhalten bleibt. Seine ältere Tochter spielte auf einer Steirischen Harmonika, da begleitete der Vater mit der Gitarre. Außerdem hörten wir noch Tuba und Akkordeon. Die jungen Leute hatten solch einen Spaß am Vorführen, dass sie nach der Vorstellung noch weitertanzten.
Es war ein fast familiärer Abend mit urspünglicher Volksmusik, ohne Verstärker.

Heute, am 7. Mai, geht's nach Wildsteig, Rottenbuch, Schönberg und zurück nach Böbing. Wir sind zur Wieskirche gefahren und ab dort nach Wildsteig gewandert. Besonders an diesem dritten Wandertag hatten wir von verschiedenen Punkten aus wieder eine herrliche Aussicht auf das verschneite, von der Sonne angestrahlte Alpenpanorama mit Aggenstein, Gimpel, Köllespitze, Gehrenspitze, Säuling, Tegelberg, Hochplatte.

In Rottenbuch besuchten wir die Stiftskirche der ehemaligen Augustiner Chorherren mit großartiger Rokokoausstattung. Gunter Pfeiffer hat das Largo von Händel gesungen!

Wir überquerten die wild in einer tiefen Schlucht fließende Ammer und stiegen auf eine Bergkuppe zum Ort Schönberg. Noch ein Vorteil bei Wandern mit Busbegleitung: Mancher asphaltierte Weg oder längeres Wandern auf einer Straße kann vermieden werden. Danach gings nach Vorder-Kirnberg und weiter nach Böbing.

Immer genossen wir die hügelige Landschaft mit den sich schlängelnden Wegen und Bächen.
Gewandert sind wir heute ca. 20 km.

Zum Abendessen gabs Knödelsuppe, Pute oder Hacksteak, Salat, Eis.

Es war unser letzter Abend, und es war lustig ganz aus dem Stegreif. Peter und Reinhard spielten den Sketch: zwischeduri, außerdem machte ein überschwerer Maßkrug die Runde.

Noch ein Abend wäre nötig gewesen. Gunter hätte mit uns gesungen und Peter Theater gespielt. Aber es war der letzte. Wir hatten noch Spaß beim Kartenspielen, Würfeln, Kegeln und dann gings ans Packen.

Am 8. Mai, 7 Uhr morgens, Schneeregen, kalt.
8.15 Uhr sonnig, kalt, 5 Grad C.
Die Koffer waren verladen, Abfahrt 8.45 Uhr.

Unsere letzte Wanderung (mit ca. 18 km) führte uns durch das Ammertal durch Wald und später längere Zeit auf einem Damm, dann eine Klamm aufwärts zu den Gradnerhöfen mit Blick nach Süden wieder mit Alpenpanorama und nach Norden zum Peißenberg. Den ganzen Tag über hat es nicht mehr geregnet. Dafür kurz vor Böbing zum Abschluß ein ordentlicher Regenguß!

Ein Vesper mit Fleischkäse und Kartoffelsalat erwartete uns in Böbing um ca. 14.30 Uhr.

Unser 4-tägiger Aufenthalt in Böbing war zu Ende. Wir haben uns im Gasthaus Haslacher wohlgefühlt.

Noch ein Lied zum Abschluß, dann starteten wir um 16 Uhr. Zum Abschied noch mal unser Bergpanorama.

PrälatenwegWir sind insgesamt ca. 70 km gewandert. Wir haben diese Landschaft so genossen und uns nebenher herrlich unterhalten, ganz wie es Mark Twain in "Bummel durch Europa" schrieb: "Nun liegt aber der wahre Zauber des Wanderns nicht im Laufen oder in der Landschaft, sondern im Reden. Das Laufen ist dazu da, für die Bewegungen der Zunge den Takt anzugeben, das Blut in Wallung und den Geist rege zu erhalten; die Landschaft und die Waldesdüfte sind dazu da, auf den Menschen einen unbewussten, unaufdringlichen Zauber auszuüben und ihren Balsam in Auge, Seele und Sinn zu träufeln; aber der größte Genuß kommt aus dem Gespräch. .... Und welche bunte Liste von Themen ein paar Leute im Laufe einer Wanderung ganz beiläufig durchkämmen! Da alles ganz zwanglos abläuft, ist ein Wechsel des Themas immer richtig, und so wird man nicht auf einem einzigen Gegenstand herumhacken, bis er langweilig wird. ...."

Zurückgefahren sind wir über Landsberg, Memmingen, Ulm nach Ludwigsburg.

Herr Ollig bedankte sich in unserem Namen bei Irmi und Norbert Tauscher für die gut durchdachte Wanderreise und für die große Mühe. Er bedankte sich auch bei Günter König. Er war immer an den verabredeten Stellen und hat uns gut hin und nach Hause gefahren. 730 km hat er uns insgesamt chauffiert.

Um ca. 20 Uhr waren wir wieder in Ludwigsburg. Dann hat's jeder eilig, vollends heim zu kommen.
Wir sehen uns ja bald wieder!

(Melitta Labbé)