Rückblick auf die Hüttenwanderung
auf der Schwäbischen Alb
vom 09. bis 10. Juli 2005
In der Morgenkühle des 9.7. versammelten sich 14 Wanderer am Bahnhof, um via Stuttgart nach Balingen zu fahren. Unterwegs grüsste die Burg Hohenzollern aus nächster Nähe. Balingen zeigte sich von einer besonders schönen Seite, da schon geschmückt war für das Stadtfest am nächsten Wochenende im 750. Jahr seines Bestehens. Der Kirchturm ist wegen Renovierung völlig eingepackt. Das geht auch ohne Christo, ist aber sicher nicht so einträglich. Das Zollernschloss und die Jugendherberge gleich daneben zeigten sich in renoviertem Glanz. Wir überquerten die Ayach und Steinach und liessen die Stadt hinter uns, ebenso die letzten Häuser in gepflegten Gärten und die Obstwiesen. Bei Erreichen der Waldregion entzogen uns die beiden Wanderführer Werner Breckle und Klaus Ollig den Fahrweg unter den Füssen und schickten uns in die „erste Schikane“. Uff, ich wusste gar nicht, dass so was auf der Alb möglich ist. Es ging in Serpentinen steil bergan, die Schweisstüchlein wurden gezückt, und ein paar fragten sich wie ich, warum die Stöcke daheim geblieben waren. Als „Pumpe“ und „Schnaufer“ auf Hochtouren liefen, tat sich der Wald auf und gab einen Blick frei über eine Wiese in die Weite, auf ferne Ortschaften, Hänge und Berge, so recht ein Platz für die Mittagspause. Von dort ging’s abwärts, und plötzlich tauchte Zillhausen auf, das in seiner Senke von oben nicht zu sehen war. Freundliche Leute grüssten aus ihren Gärten und fragten nach Woher und Wohin. Man ist dort stolz auf einen Wasserfall an einer bemerkenswerten Felsstufe, aber mangels Wasser kam er nicht so zur Geltung. In Burgfelden steht ein romanisches Kleinod, die Martinskirche, für die ein Schlüssel zu holen war. Als Klaus uns schon etwas über die historischen Daten erzählt und die Bretter über dem ursprünglichen Chor gehoben hatte, kam der „Fremdenführer“ und erläuterte die Fresken aus dem 11. Jahrhundert. Das „Weltgericht“ ist erstaunlich gut erhalten. Weiter zeigte er ein Modell der Schalksburg mit Besitzungen aus dem Mittelalter. Die fortgeschrittene Zeit gemahnte uns zum Weitergehen. Der Böllat brachte uns auf 921 m Höhe und zeigte uns wieder einen herrlichen Ausblick in weitem Halbkreis. Wir sahen Dürrwangen, unser heutiges Ziel, unter uns liegen. Um die schon erwähnte Schalksburg zu erreichen, war nach Abstieg wieder ein steiler Anstieg nötig, schliesslich liegt der erneuerte Bergfried 911 m hoch. Klaus erzählte vom „Hirschgulden“, dem nach Meinung der Untertanen lumpigen Preis, zu dem der Besitz öfter hin und her gepfändet wurde, zerstört, aufgebaut, verändert und schliesslich geschliffen. Im alten Rathaus von Dürrwangen wurden wir bereits erwartet und gleich wurde frisches Bier gezapft. Erfrischt von innen sorgten Duschen danach auch für äusseres Wohlbefinden. Plötzlich fehlte ein Anorak. Wann und wo verloren? Dieter versuchte das zu präzisieren. Klaus machte sich nochmal auf und kam tatsächlich mit der Jacke wieder, sehr zur Erleichterung des Verlierers, hatte er doch jetzt auch Geldbeutel und alle Karten wieder. Nach einem vorzüglichen Essen und dem bis auf den letzten Rest ausgelöffelten Nachtisch zeigte uns Herr Stingel , ein Original und wahres Organisationsgenie, mit erkennbarem Stolz erst das gemietete Wanderheim mit den gesammelten Einrichtungsschätzen und dann gleich nebenan das „Jetterhaus“, inzwischen Eigentum des Albvereins. Aus dem grossen alten Bauernhaus des malenden Herrn Jetter ist durch Engagement, Kenntnis und Können etwas Erstaunliches geworden: zum einen das Vereinsheim der Volkstanzgruppe Frommern, Herrn Stingels liebstes Kind, bekannt und bewährt sogar durch weite Auslandsreisen, dann ein Gästehaus mit 2-Bett-Zimmern unterm Fachwerkdach, alle möbliert mit Schlafzimmermöbeln aus Gross- und Urgrosseltern Zeiten, jedoch mit modernem Dusch-WC, weiter Räume für Workshops zum Singen, Tanzen und Instrumentenbau. Wir sassen noch beim Bier zusammen, aber die Runde bröckelte nach und nach, da der herrliche Tag doch auch ein wenig anstrengend war. Strahlende Sonne weckte uns. Es war Gelegenheit, den kleinen Ort zu erkunden und die 90jährige Petruskirche zu besichtigen, die schon so früh für die Konfirmandenvorstellung hergerichtet wurde. Es gab ein umfangreiches Frühstück, bei dem es an nichts fehlte. Nach dem obligatorischen Abschiedslied ging es in den 2. Tag. Bei strahlender Sonne verliessen wir den gastlichen Ort und wanderten entlang malerischer Pappelwiesen bis zum neuerlichen Anstieg. Unter dem Laubdach der Albwälder wähnte man sich in einer Sauna. Das trägt zum prachtvollen Gedeihen des Türkenbundes bei, während sich kaum noch ein Vogel hören liess. Das „Hörnle“ gab wieder einen fantastischen Blick frei. Ein anrührendes Gedicht auf einem kleinen Gedenkstein für einen verunglückten Radler mahnte zur Dankbarkeit und Vorsicht, auch Mittelgebirge nicht zu unterschätzen. Weiter ging der Weg über noch ungemähte Hochplateauwiesen und wieder rauf und runter. In der JH Lochen war Tag der offenen Tür. Hobbykünstler zeigten Schnitzereien und Versteinerungen, und eine gut gemachte „Höhle“ lud Kinder zum Klettern ein. Wir konnten nicht verweilen, da unsere Einkehr woanders geplant war. Trotz Wetterumschwung liessen wir uns doch gern den Lochenstein zeigen, von wo ein Blick hinab aber schon nicht mehr möglich war. Jetzt regnete es richtig und Schirme und bunte Capes mussten her. Vorsicht war angesagt bei matschigen Wegen und glatten Steinen. Waldarbeiter hatten mit schweren Geräten tiefe Rillen in die Zugwege gegraben und stellenweise mit Fichtengeäst abgedeckt. Eine solche Stelle wurde mir zur Falle, aber Werner war sofort zur Stelle, dem „gefallenen Mädchen“ wieder aufzuhelfen, welches zwar nass, aber weich gestrauchelt war. Wir erreichten Rosswangen, wo unser Einkehrlokal wegen des Musikfestes geschlossen war. Im Festzelt herrschte drangvolle Enge, weil die Freiluftbänke im Regen standen. Für Speis’ und Trank war gesorgt, und die Musik war eine gelungene Zugabe. Die Sonne besann sich noch mal auf ihre Schuldigkeit, und wir wanderten von oben her trocken durch Felder und Wiesen zurück nach Balingen. Auf dem Bahnsteig holte uns der Regen wieder ein, und ein Gewitter pfuschte wohl in die Bundesbahnpläne. Wir kamen noch passabel bis Tübingen, wo aber das Chaos schon perfekt war. Durchsagen waren nicht zu verstehen, Anzeigentafeln schienen zu spinnen, Züge fielen aus oder wurden umgeleitet. Schliesslich gab es eine Fahrgelegenheit nach Herrenberg, von wo aus uns S-Bahnen sicher vollends heimbrachten. Mangels Gelegenheit für eine verdiente Laudatio auf unsere beiden Wanderführer hole ich das hier nach. Werner B. und Klaus O. können sicher sein, dass sie uns mal wieder hervorragend durch ein zünftiges Wanderwochenende geführt haben, mit allem was darin nur Platz haben konnte. Dafür sei ihnen unser aller ganz herzlicher Dank gesagt.
(Gisela Seltmann)
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