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Rückblick auf die
Herbstausfahrt Bayerischer Wald
2.-7.Okt. 2005

klicken zum vergrößernEs wurde erst spät hell am Sonntagmorgen, dem 2.10.05, und nass war es auch. Trotzdem stiegen 42 vergnügte Mitglieder des Albvereins am ZOB in den 4-Sterne-Spillmann-Bus. Anstelle des erwarteten Terentenfahrers Egon F., der wegen Krankheit ausfiel, begrüßte uns Tino Kugler und gab die notwendigen Sicherheitsanweisungen. Danach hießen uns die Wanderführer Peter Mugele und Klaus Ollig herzlich willkommen, gutgelaunt und wetterignorierend. Das schöne Nordwürttemberg und das Hohenloher Land glitten farblos vorbei und die Scheibenwischer hatten zu tun. In Prackenbach starteten wir zur ersten Wanderung, und eine bunte Regenschirmkarawane setzte sich zur Verwunderung einiger verschlafener Anwohner in Bewegung. klicken zum vergrößernEs sollte sich aber lohnen und mir meine lästerlichen Bemerkungen widerlegen. Wir erwanderten einen Teil des "Bayerischen Pfahls" im Nationalpark. Das ist eine Quarzader, die an dieser Stelle in imposanten Felsformationen zutage tritt. Quarz ist ein Gemengeteil vieler Gesteine, der als Mineral in den verschiedensten Farben und Kristallen vorkommt. Seinetwegen vor allem hatte sich hier die Glasindustrie angesiedelt, und wir sahen in dem Zusammenhang eine beeindruckende Abraumschlucht, eine ehemals handbetriebene Bremsanlage für den Lorentransport, eine anschaulich dokumentierte Abfüllstation und eine Schmiede, die an Ort und Stelle für die Instandhaltung der Gerätschaften sorgte. Wie ein Museumsbesucher geht man heute die Strecke ab, an der so mühevoll das kärgliche Täglichbrot erarbeitet wurde. In Viechtach bestiegen wir wieder den Bus und erreichten schon am Nachmittag das Hotel "Sonnbichl" in Lam. klicken zum vergrößernEs war Zeit genug sich in den Zimmern häuslich einzurichten und sich auf das schon unterwegs per Liste ausgewählte Essen zu freuen. Der im ausgebuchten Hotel vollbesetzte Speisesaal war gemütlich eingerichtet und hübsch dekoriert. Wir - besonders die Damen - genossen es sehr, mal wieder bedient zu werden , und das von freundlichem Personal mit vorzüglichen Speisen. Bier oder Wein und die abschließenden "Wurz'n", sprich Blut- oder Bärwurz sowie die kleinen "Willis" mundeten köstlich. Nach erholsamem Schlaf, durch kein Geräusch gestört, erwartete uns ein umfangreiches Frühstücksbuffet.

Der 1. Wandertag brachte uns nach kurzer Busfahrt an den Kleinen Arbersee. Die Wolken hingen tief, behielten aber ihre nasse Fracht für sich. Wir umrundeten den See mit seinen schwimmenden Inseln und entdeckten zum erstenmal ganz frischen Biberverbiss. Die Nager ließen sich aber leider nicht blicken. Wir wanderten den "Gläsernen Stieg" ein Stück weit abwärts bis Lohberg, wo wir die in einer alten Kirche untergebrachte, künstlerisch bemerkenswerte Glasbläserei Sellner besuchten. Am Eingang waren die Hüttenmeister von 1535 an lückenlos in Folge aufgelistet. Zurück in Lam war noch Gelegenheit zum Einkaufen, Bummeln und Besichtigen der Kirche, in der eine schöne Erntedankdekoration den Hauptaltar schmückte.

klicken zum vergrößernAm 2. Tag brachte uns der Bus zum Großen Arbersee, auf dem sich wegen der immer noch sehr tief hängenden Wolken nur ein paar Enten langweilten. Wir teilten uns in zwei Gruppen, von denen eine den 1456m hohen Arber erstieg, und die andere zur Gondelstation wanderte, um oben wieder dazu zu stoßen. Die "Bergsteiger" passierten den Bretterschachten, machten Apfelpause am nebelverhangenen Mittagsplatzl in 1340m Höhe und erreichten den Gipfel, als noch heftiger Wind dazu kam. Dieser fegte für einen Moment den Nebel zur Seite und gab unmittelbar vor uns die beiden großen Kuppelantennen und das Gipfelkreuz frei. Ehe aber die Kamera schussbereit war, war alles wieder verschwunden. Um so gemütlicher war es in der voll besetzten Hütte. Weil man von der Gondel aus ohnehin nichts sah, ging die Fußtruppe, vermummt wie am Nordpol, wieder talwärts über die felsigen Wege zum Bus am See. Vom Hotel aus hatte man dann erstmals einen Weitblick, und der Himmel sah vielversprechend aus. Abends präsentierte uns Frau Bergmann, Mutter der Lamer Olympiateilnehmerin in Nagano, Monika Bergmann, den wunderschönen Videofilm "Land am Regen".

Der 3. Wandertag begann bei strahlendem Sonnenschein und führte uns nach kurzer Busfahrt wieder über felsige Wege, teils Europa-Wanderwege,klicken zum vergrößern aufwärts über den Reitenberg zum Kreuzfelsen, auf dem neben dem Gipfelkreuz ein Nirostawegweiser auf exotisch entfernte Ziele hinweist. Wir folgten dem "Räuber-Heigl-Weg", benannt nach einem bayrischer Schinderhannes, der sich hier in einer Höhle versteckt gehalten hat. Wir kamen zur Kötztinger Hütte (1034m), wo wir bei zünftiger Erbsensuppe im Freien sitzen konnten. Abenteuerlich war er Abstieg durch die Rauchhöhlen, wo gegenseitige Hilfestellung angesagt war. Über den Großen Riedelstein (1132m), einer bekannten Skiregion, ging es runter nach Eck, wo wir die 2. Gruppe trafen, die dort den Bus bestieg, während wir weiter über Eschlsaign nach Arrach wanderten. Unterwegs beeindruckten uns immer wieder die rundgeschliffen felsigen Wege, die steilen, schier abgesägten Felswände, die diversen Moose und die vielen Heidelbeeren an z.T. gekämmten Büschen. Immer wieder trafen wir auf die dort so typischen Totenbetter mit originellen Inschriften. klicken zum vergrößern

Donnerstag, der letzte Wandertag, fand ohne die Verfasserin dieses Berichtes statt. Ich hatte mir ein Knieband gezerrt und musste zurückstecken. Eine Gruppe fuhr die kurze Strecke bis Lohberg, um von dort auf den Großen und Kleinen Osser zu gelangen, wobei sie durchs "Künische Gebirge" kamen, in die Tschechei schauen konnten, die Maria-Hilf-Kapelle sahen und den frisch renovierten Grenzstein mit den blauweißen Rauten auf der einen und dem roten doppelschwänzigen Löwen auf der anderen Seite. Gleich vom Sonnbichl weg ging die andere Gruppe durch Lam und jenseits der Bahn in die Wälder und zu einsamen Höfen mit Einkehr in Hinteröd. Auch dort lag am Weg eine Wallfahrtskirche. Es war richtiges Kaiserwetterfür alle, so auch für mich auf dem Balkon. Der Abend endete mit einer zünftigen Musi zweier echter Könner. Herr Obermeier, der Seniorchef, sprach launige Abschiedsworte, und seine Tochter bedankte sich für unsern Besuch bei Peter M. mit einem kleinen Schmankerlkorb. Ein Hoch auf unsere Herren, die eifrig das Tanzbein schwangen und ringsum die Damen aufs Parkett führten.

klicken zum vergrößernNach dem obligatorischen Abschiedslied zur großen Freude von Herrn Obermeier ging's am letzten Morgen zunächst nicht weit, denn in Bodenmais war ein Stopp an der "Waldglashütte", aus der inzwischen ein Riesenevent geworden ist. Touristisch aufgemachte Ausstellungs- und Verkaufsräume verführten auch uns zum Erwerb von Andenken und Mitbringseln. An der Raststätte konnte, wer wollte, bei herrlicher Sonne schön im Freien sitzen. Die gefürchteten Freitagsstaus sahen wir höchstens auf der Gegenfahrbahn. Ein letzter kurzer Stopp an der Raststätte Hohenlohe, und unser Ländle hatte uns wieder.

Mit nachfolgendem Gedichtle und einem klimpernden Jutesäckchen bedankte ich mich im Namen aller bei Peter und Klaus, die uns durch diese unvergesslichen Tage geführt hatten. Auch der ruhige verlässliche Chauffeur Tino Kugler bekam ein Couvert und unsern herzlichen Dank. Jetzt bleibt uns allen die Hoffnung auf Gesundheit mit der Aussicht auf kommende Ausfahrten.

Gisela Seltmann