| Kein ganz leichter Entschuss, heute zu wandern, aber angemeldet ist angemeldet! So traf sich am Samstagmorgen ein unentwegtes Trüppchen zur Abfahrt am Bahnhof. Ein Regionalzug brachte uns ohne Umsteigen nach Göppingen. Außer uns waren Fußballfans unterwegs nach München, sowohl junge Deutsche, die schon früh die Flaschen kreisen ließen, als auch eine schwedische Gruppe, die um ihre Plätze eine Flaggengirlande dekoriert hatte. In Göppingen begrüßte Werner Brekle uns 4 Damen und weitere 3 Herren vom Albverein „offiziell“, und es konnte losgehen. Wir ließen das Städtchen und die letzten gepflegten Gärten hinter uns und peilten Heiningen an. Die Felder standen in üppigem Grün und im Blickfeld lagen die Kaiserberge Hohenstaufen, Rechberg und Stuifen. Die Sonne brannte schon heiß, so dass wir froh jeden schattigen Waldweg begrüßten. Nachdem ein steiler Anstieg genommen war, gab es eine willkommene etwas längere Pause an einer Hütte mit Sitz- und Grillplatz, ehe wir wieder eine sonnige Hochebene überquerten. Neben Ackerkulturen wanderten wir auch entlang an Trockenrasenflächen und über Wachholderheiden, wo Knabenkraut in mancherlei Variationen stand. Schafherden, die hier für Ordnung sorgen, ließen sich bei der Hitze nicht sehen. Gern tauchten wir wieder in den Wald ein, der voller Vogelgezwitscher und Türkenbund war. Im Wald waren am Samstag auch Holzarbeiter zugange, und nach einem Plausch bot uns ein Treckerfahrer einen „Lift“ zum Wasserberghaus für 30,- € an. Da ist er bei Wanderern an der falschen Adresse. In festen Stiefeln ging es zum Rottelstein, und nach Genuss der wunderschönen Aussicht weiter zum Lotenberg. Das Etappenziel war das Fuchseck, 762 m hoch gelegen, ebenfalls mit herrlicher Aussicht auf weitere Albhöhen und die schmucken Örtchen. Albwanderungen haben es so an sich, dass man, um den zum Greifen nahen nächsten Berg zu erreichen erst mal wieder runter muss, um ihn von unten anzugehen. Ufff...war das heiß! Die Trinkflaschen waren schon verdächtig leicht geworden, als wir sie am Fuß des Wasserberges an einem Bauernhof wieder auffüllen konnten. Von hier aus dürfen die Autos nicht weiter und auf dem Parkplatz standen nur drei. Nochmal ein Aufstieg, und der Türkenbund hatte wieder unsere volle Bewunderung. Etwas unterhalb des 740 m hoch gelegenen Gipfels tritt man aus dem Wald und sieht das schöne Wanderheim „Wasserberghaus“ liegen, das mit seinen Freiluftplätzen einlädt. Außer uns waren hier oben nur die Insassen der drei eben gesehenen Autos, eine lustige Gesellschaft. Das ersehnte Bier schmeckte hier und jetzt besonders gut. Wir waren die einzige Gruppe, und die Wirtin zeigte uns im Gästeanbau unsere Zimmer. Nachdem wir innen wieder angefeuchtet waren, konnten wir das jetzt auch von Kopf bis Fuß tun. Welch’ eine Wohltat! Nach dem Bettenbeziehen trafen wir uns „runderneuert“ wieder im Biergarten zum Abendessen, das a la Carte bestellt werden konnte. Es war zwar absolut WM - freie Zone, nicht aber Handy - freie, und so erreichten uns auch hier Anrufe, um uns das Münchener Ergebnis Deutschland – Schweden mit 2:0 mitzuteilen.Es wurden ein paar Witze erzählt und lustige Texte vorgelesen, von denen die Korrespondenz eines 16jährigen Romreisenden mit seiner Großmutter gut ankam. Die Sonne tat uns den Gefallen, in der besten Aussichtsrichtung feuerrot und unbeschreiblich schön unterzugehen, wobei sie unwiederbringlich jedes Mal einen Tag mitnimmt. Etwas sinkende Temperaturen und fliegendes Krabbelgetier veranlassten uns zum Umziehen in die mit viel Geschmack und Sammlerfreude eingerichtete Gaststube, wo uns die engagierte Wirtin über die Arbeit von Berggasthauspächtern aufklärte. Allmählich bröckelte unter netten Gesprächen einer nach dem andern in Richtung Bettenhaus ab.
Nach einer erholsamen Nacht servierte man uns ein leckeres Frühstück mit Eiern und Speck, frischen Brötchen, Joghurt und diversem Aufstrich. Mit Wasser der hauseigenen Quelle füllten wir unsere Flaschen und sangen das obligatorische Abschiedslied. Wie wir feststellten, nur zu unserer eigenen Freude und lediglich mit dem Berner Sennenhund als Zuhörer. Nach einem Gruppenfoto machten wir uns wieder auf den Weg. Die zunächst hinter Dunst und Hochnebel versteckte Sonne brannte bald wieder mit voller Kraft, und das rote Wanderzeichen führte uns mal auf, mal ab, durch Wald und über freie Hochebene. Anfangs begegneten uns diejenigen, die dem „Gottesdienst im Grünen“ auf dem Wasserberg zustrebten. Für heute wird es mit der gestrigen Ruhe dort vorbei sein. Bald schienen wir aber wieder allein unterwegs zu sein. Der grasige „Burren“ erforderte wieder einen Anstieg, wonach es länger oben weiter ging. Wir verweilten am Hausener Felsen mit herrlichem Blick auf denselben und das unten liegende Dörfchen. Durch Unterböhringen und vorbei an der Freizeiteinrichtung Michaelsberg hörten wir schon von weitem und von hoch oben Musikfestklänge und kamen nach Bad Überkingen, wo wir im Biergarten vom Auentalstüble köstlich zu Mittag speisten. Die Bedienung fand wohl auch, dass wir eine Abkühlung nötig hätten und kippte versehentlich das volle Biergläsertablett über den Tisch. Die schnell nachgefüllten Gläser wurden dann doch lieber „verinnerlicht“. Die ersten „Ausfallerscheinungen“ regenerierten sich wieder etwas nach Anheben des Flüssigkeitspegels, und wir konnten eine Vogelvoliere, einen Teich voller Forellen und Karpfen undmit einem stolzen Schwanenpaar und eine Bushaltestelle sehen. Aber Wanderer werden nicht so leicht zu Busfahrern! Wir liefen durch Überkingen, das sein Musikfest feierte. Das zog sich hin in der prallen Sonne. Am Ortsausgang war wieder eine Haltestelle. Jetzt stellte sich heraus wer von uns zu den Törichten und wer zu den Klugen (diesmal nicht Jungfrauen) gehörte. Drei „Kluge“ nahmen nämlich den Bus nach Geislingen, während fünf „Törichte“ weitergingen und wohl doch Entfernung, Anstieg, sengende Hitze und brennende Sohlen unterschätzten. Aber auch wir erreichten schließlich den hochgelegenen Bahnhof von Geislingen, wo in der Bahnhofswirtschaft ohne viele Zuschauer das Fußballspiel England – Ecuador vom Fernseher flimmerte. Gisela vertauschte jetzt endgültig die Wanderstiefel mit den Sandalen und trug sie lieber heim, denn zum aller ersten mal hatte es Blasen gegeben. Der Zug füllte sich mit Radlern und anderen Wanderern, und allen merkte man an, dass dies ein anstrengender Tag gewesen ist. Er war auch noch nicht zu Ende. In Stuttgart bestiegen wir einen Zug nach Würzburg, der mit einem Affenzahn durch Ludwigsburg brauste und erst in Bietigheim die Bremsen quietschen ließ. Da hatten wir doch mal wieder verdrängt, dass man uns vor Jahren vom Kreisbahnhof zum „Haltepunkt“ degradiert hatte. Zum Glück mussten wir nicht lange auf den „Heimbringer“ in die Gegenrichtung warten. Der Abschied war etwas hektisch, da alles zu anderen Ausgängen und diversen Bushaltestellen strebte. Aber Hans Stoehr hatte sich in weiser Voraussicht schon in Geislingen mit netten Worten für uns alle bei den beiden Wanderführern Klaus und Werner bedankt, und dieses schöne Wanderwochenende wird zu den Erinnerungen gehören, die uns nasse, kalte Herbst- und Wintertage aufhellen werden.
(Gisela Seltmann) |