| Wie Tage vorher war es mal heiss, mal regnerisch, am Wandertag selbst etwas kühl, aber sonniges Wetter und das den ganzen Tag über anhielt. Am Pfingstsonntag hatte die Ortsgruppe Ludwigsburg des Schwäb. Albvereins zu einer Wanderung eingeladen, welche von "Besigheim a.N." hin zum Stromberggebiet und zu dessen Auslaufberg, der "Eselsburg", führen sollte. Am Ausgangspunkt "Besigheim" konnte die Wanderführung eine stattliche Zahl Wanderfreundinnen und Wanderfreunde begrüßen, welche die auf ca. sieben Stunden angesetzte Wegstrecke mitgehen wollten.
Zunächst mußte gleich zu Beginn ein steiler Weg bergauf gegangen werden, um dann auf aussichtsreichem Höhenweg, auch mit Blick zurück zum mittelalterlichen Ortskern Besigheims, das Städtchen "Löchgau" zu erreichen. Am Ortseingang grüßt eine wilde Reiterfigur sowie eine Darstellung des Reinike Fuchs vom bekannten Bildhauer Seemann, der im Ort lebt und wirkt. Schon im 12. Jh. ist Löchgau in der Geschichte bekannt. 1876 konnte die Gemeinde mit einer Nagelfabrikation den Anschluss an das industrielle Zeitalter sichern.
Heute ist Löchgau Wohngemeinde, von der viele Arbeitnehmer in die umliegenden Städte pendeln. Den sonntäglich ruhigen Ort durchgehend führt der Weg dann hinauf in weites Rebengebiet. Oben auf der "Bergstirne" hat man klare Sicht und weiten Rundblick. Rast ist angesagt, bevor es am Waldrand entlang in Richtung "Freundental" weiter geht. Der Ort der sich einmal beim Bundeswettbewerb "Unser Dorf soll schöner werden" beteiligt hat,liegt malerisch im Tal hin zum Rand der Wälder des Strombergs. Reichsgräfin "Grävenitz" ließ um 1727 von Paolo Retti das Freudentaler Schloss bauen. Sehenswert der Ortsmittelpunkt mit Rathaus und dem renovierten Judenviertel und dessen Synagoge. 1731 wurden nämlich jüdische Familien in den Ort aufgenommen, welche später ein Drittel der Dorfgemeinschaft ausmachten. Deren Zeit und Leben wurde im Dritten Reich ausgelöscht. Den Ort umgehend wird später der gepflegte ehemalige Judenfriedhof erreicht, der heute Kulturdenkmal ist. Später am Weg auch ein Sandsteindenkmal besonderer Art: Das Grab für "Helene", des Königs Friedrich I Lieblingspferd. Lustig der eingemeißelte Spruch: Oh Schemmel, kommst net en da Hemmel, wird a Frog sei, kommt dei Herr nei.
Durch weite Obstbaumlandschaft, die Kirschen werden schon reif, geht es nun wieder waldwärts, bergauf zur Höhe des Teufelbergs. Immer durch Wald, später vorbei an "Geologischen Fenstern", Gesteinsschichten der umgebenden Weinberge, kommt man dann hinab zum hochgelegenen Weinbauort "Hohenhaslach", dessen Silhouette ein beliebtes Fotoobjekt für Strombergbesucher abgibt. Ein "Viertele" von nahen Weinbergen ist allerdings nicht möglich, der Durst wird mit Wasser gelöscht. Dem Wanderzeichen folgend, durch bunte Bauerngärten am Weg, geht es dann weiter hinab ins Kirchbachtal. Eine am Ende des Orts betriebene große Garteneisenbahn läßt verweilen. Das Tal querend, dann hinauf zum Baiselberg, wird inmitten einer Waldlichtung ein erst in den 50 Jahren des 20.Jh. entdecktes und archäologisch erforschtes ehemaliges Frauenkloster erreicht. Eine Gruppe Klosterfrauen hatte sich dereinst in eine selbstgewählte Eremitage zurückgezogen, welche sich mit der Zeit, den ausgegrabenen Grundmauern nach,zu einer stattlichen Klosteranlage entwickelt hat. Jetzt hat man eine Rast verdient. Vesper und Getränk munden.
Gestärkt ziehen danach die Wanderer auf schönen Naturwegen durch den Baiselbergwald weiter. Dann wieder hinaus ins Freie von wo das Tagesziel, es ist merklich näher gekommen, sichtbar wird und auch der weitere Wanderweg verfolgt werden kann. Ringsum die großen Waldflächen des Stromberggebiets, unten das Mettertal mit den Gemeinden Horrheim und Gündelbach, drüben auf hoher Kuppe die Eselsburg. Nochmals geht es zu Tal, an großem Freizeitgelände und Badeseen vorbei, dann durch die Talebene hinüber zum letzten anstrengenden Anstieg. Die Wandergruppe hat ihr Ziel erreicht. In sonnig luftiger Höhe wird Rast gemacht. Mit dem 392 m hohen Eselsberg erreicht der Stromberg im Osten seinen höchsten Punkt.
In der Zeit der Staufer bauten die Herren von Eselsburg hier einen Rittersitz. Erhalten ist eine Brücke über den ehemaligen Burggraben und der Aussichtsturm, der weit über die Baumwipfel hinaus ragt und einen großartigen Rundblick ermöglicht. Der Turm ist heute im Besitz des Schwäb.Albvereins, wird von einem Pächterehepaar bewirtschaftet und ist beliebter Ausflugstreffpunkt im Stromberggebiet. Ausgeruht verläßt man die gastliche Stätte. Es geht zur letzten Etappe hinunter in den Talgrund hinüber nach Kleinglattbach und zum neuen Bahnhof Vaihingen-Nord. Die vom Wanderführer-Ehepaar Klaus und Ingrid Ollig gut geplante und umsichtig geführte erlebnisreiche große Pfingstwanderung, wobei auch immer wieder Merkmale der Landschaft vermittelt worden sind, ist zu Ende. Von der zufriedenen Wandergruppe wurde dafür herzlicher Dank gesagt.
(Wolfgang Staudenmayer“) |