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Rückblick auf die
Jahresfahrt der Seniorengruppe in die Lausitz
vom 17. - 22. Juni 2007

Wanderführer und Reiseleitung: Frau Aßfalg, Herr Sturm,
Herr Schuster, Herr Kohlweiß
Fahrer: Herr Roland Lagershausen mit Jägerbus
Fahrgäste: 43

:Sonntag, 17. 6. 2007

klicken zum VergrößernAuf einer Hinweistafel im Lausitzer Findlingspark Nochten konnten wir lesen:

Zeit, die wir uns nehmen,
ist Zeit, die uns gibt.

Unsere Wanderführer haben sich wieder viel Zeit genommen, die Reise vorzubereiten und zu leiten. Aber auch wir haben uns Zeit genommen.

Alle sind pünktlich um 7.30 Uhr zur Abfahrt in Richtung Nürnberg da gewesen.

1/2 Stunde war Aufenthalt in der Raststätte Kammersteiner Land Süd;
später 1 Stunde Mittagspause in der Raststätte Vogtland.

Wir können uns darauf verlassen: Fridlinde versorgte uns wieder mit Eierlikör in den netten Schoko-Waffel-Bechern. Jetzt nach dem Mittagessen haben wir gerne zugegriffen, sozusagen als Nachtisch.

Mit der steten, ruhigen Fahrweise und guter Unterhaltung passierten wir das Fichtelgebirge, Greiz (Ulf Merbold), Dresden. Wir verließen die Autobahn, fuhren durch Senftenberg nach Spremberg. Am Spremberger Stausee kamen wir schon um 16.15 Uhr an und hatten deshalb genug Zeit, in dem bewaldeten Feriengebiet mit Nurdachhäusern uns von der Fahrt zu erholen mit Spazierengehen, durchs warme Wasser waten, Kaffee trinken, Eis essen.

Noch ein letzter Abschnitt war zurückzulegen. Kurz vor 18 Uhr sind wir im Hotel Dorotheenhof in Cottbus angekommen, erhielten unsere Zimmerschlüssel und waren froh, nach einer Fahrzeit von 7 3/4 Stunden (ohne Pausen) am Ziel zu sein.

Die Linden dufteten herrlich beim Spaziergang am Abend. Manche erreichten das wuchtige, 1907/1908 im späten Jugendstil erbaute Staatstheater.

klicken zum VergrößernMontag, 18. 6. 2007

Regenwetter.
Wir trafen uns um 9 Uhr im Hotel zur Stadtbesichtigung Cottbus. Ganz im Gegensatz zu Görlitz wurde Cottbus im 2. Weltkrieg schwer zerstört. Viele Plattenbauten werden abgebrochen, der Rest saniert, um die Bevölkerung dazuhalten. Studenten bekommen billigen Wohnraum. Aus abgerissenen Plattenbauten entstehen Stadtvillen.

Cottbus, eine grüne Stadt, hat 113 000 Einwohner und ist Universitätsstadt mit 5000 Studenten.

Nach der Stadtrundfahrt besuchten wir mit unserer Stadtführerin den Branitzer Park, den Fürst Pückler in der Zeit von 1845 bis 1871 gleich im Anschluß an den Muskauer Park geschaffen hat. Der Park ist durch die meisterhafte Gestaltung einer der hochwertigsten Landschaftsgärten Europas. Der leichte Nieselregen störte nicht. Beim Spaziergang erfuhren wir, daß alle Gräben und Teiche künstlich hergestellt wurden und mit der Spree verbunden sind. Der Erdaushub wurde für Hügel verwendet, und es wurde eine Landpyramide und eine Wasserpyramide (die in der Gruft das Herz Pücklers und den Leichnam seiner Gemahlin birgt) aufgeschüttet. Nutrias kann man im See davor schwimmen sehen. Die wunderschönen, alten Bäume beeindruckten uns.

klicken zum VergrößernDanach wurden wir weiter zum Cottbuser Altmarkt geführt. Den Markt umgeben Häuser mit barocken und klassizistischen Fassaden. Wir kamen vorbei an der kleinen Symbolfigur, dem Postkutscher.

Wie früher probierten wir den Zungenbrecher:
Der Cottbuser Postkutscher putzt den Cottbuser Postkutschenkasten.

Die Mittagspause war kurz, aber jeder hat ein Lokal gefunden.

Bad Muskau war unser nächstes Ziel, ohne Führung. Der Muskauer Park, ebenfalls von Fürst Pückler angelegt (1815 bis 1845), wurde von der UNESCO 2004 in die Weltkulturerbeliste aufgenommen. Auch in diesem Park gibt es wunderschöne Ausblicke. Das Alte Schloß entstand nach der Zerstörung im 2. Weltkrieg wieder, das nach Kriegsende 1945 ausgebrannte Neue Schloß, in dem Fürst Pückler geboren wurde, wird seit 1999 wieder aufgebaut.

Nach dem 2. Weltkrieg wurde die durch den Park fließende Lausitzer Neiße die Staatsgrenze zu Polen. Wir spazierten im Park über eine Brücke bis zur Grenze.

Um 1/2 5 Uhr waren wir zurück im Hotel.

klicken zum VergrößernDienstag, 19. 6. 2007

Abfahrt 7.30 Uhr bei sonnigem Wetter nach Oybin.
Oybin liegt in einem Winkel zwischen Polen im Osten und Tschechien im Westen südlich von Zittau.
Die Ruinen auf dem Sandsteinfelsen schauten herunter. Dort hinauf zu Fuß durch romantische Felsen oder mit der Bahn wollten wir.

Die Anlage besteht aus den Ruinen der Burg, des Kaiserhauses und der Klosterkirche, welche wegen ihrer hervorragenden Akustik als Konzertstätte genutzt wird. Beim Rundgang auf dem Berg hat man einen prachtvollen Ausblick. Ein Teil unserer Gruppe blieb zum Mittagessen auf der Burg.

Um 14 Uhr mußten wir aufbrechen, um die ganze Oberlausitz zu durchqueren bis zur Niederlausitz, zu unserem Hotel in Cottbus.

Wir fuhren extra über Jonsdorf, um viele Umgebindehäuser zu sehen. Sie waren fast alle sehr schön renoviert. Die meisten wurden nach 1700 errichtet, und es gibt noch ca. 19.000 Umgebindehäuser, hauptsächlich in der Oberlausitz. Die runden Holzbögen umschließen die Blockstube und nehmen die Lasten des Obergeschosses bzw. des Daches auf. Aber die "Erschütterungstheorie" bezüglich der Handwebstühle wird bezweifelt. Diesen besonderen Baustil, entstanden aus den sorbischen Blockhäusern und den germanischen Fachwerkhäusern, sieht man nur in dieser Gegend.

Über Bautzen gings hotelwärts.

Nach 3 Stunden Fahrt waren es nur noch 5 km bis Cottbus. Haben wir uns verfahren? Ein Glück nicht. Es wurde nur die Einfahrt zu einem Braunkohle-Tageabbaugebiet gesucht und gleich gefunden. Eine Überraschung. Wir konnten ganz nah dieses riesengroße beeindruckende Gebiet sehen. Diese leblosen Landschaften werden rekultiviert, verwandeln sich in Wasserflächen oder auch zu einem Landschaftsgarten wie dem Lausitzer Findlingspark in Nochten.

Feierabend für heute. Nach dem Abendessen spazierten wir, saßen zusammen, spielten. Und ganz leise hörten wir Gesang.

klicken zum VergrößernMittwoch, 20. 6. 2007

Bei sonnigem Wetter Aufbruch um 8 Uhr nach Bautzen. Schon an den vergangenen Tagen fielen dauernd die dampfenden Türme der "Schwarzen Pumpe" auf. Auch jetzt fuhren wir wieder vorbei, bei Spremberg stehen sie.

Schwarze Pumpe ist ein Stadtteil von Spremberg und auch der Name des Industrieparks mit einem Großkraftwerk, Papierherstellung und -verarbeitung, Abfallverwertung usw. 2006 wurde der Grundstein für das weltweit erste "CO2-freie" Braunkohlekraftwerk gelegt. Allerdings ist "CO2-frei" nicht ganz zutreffend, da noch 10 - 30 % der ursprünglichen Emissionsmenge freigesetzt wird. Die vom Energieversorgungsunternehmen Vattenfall Europe errichtete Anlage soll bis 2008 in Betrieb gehen.

Über den Namensgeber "Schwarze Pumpe" für den Ortsteil und den Industriepark gibt es verschiedene Überlieferungen, die auf die Zeit des Dreißigjährigen Kriegs zurückgehen. Jedenfalls gab es einen Gasthof "Schwarze Pumpe".

Wir fuhren wieder nach Süden. Zwei Stadtführer zeigten uns die Stadt Bautzen (43.000 Einwohner) und machten die tausendjährige Geschichte lebendig. Der Altstadtkern wurde seit dem 30jährigen Krieg kaum verändert. Wir erfuhren, daß es katholische und evangelische Sorben gibt, und daß sie hier das tschechische Sorbisch sprechen, auch daß slawische Sprachen untereinander verstanden werden. Die Stadt ist das Zentrum der Sorben in der Oberlausitz.

Überall in der sorbischen Lausitz findet man zweisprachige Beschilderungen.

Als Simultankirche ist der Petridom eine Besonderheit. Seit 1534 nutzen Katholiken den Chorraum und evangelische Christen das Langhaus. Dazwischen ist eine 1 m hohe Barriere. Die beiden Konfessionen haben ihre eigenen Gottesdienstzeiten. Es gibt 2 Orgeln. Und zwei Grundbucheintragungen. Beide Orgeln haben bei Konzerten schon zusammen gespielt.

Nach der Führung versorgten wir uns mit einem kleinen Mittagessen, mit einer Suppe, Kaffee, einem Eisbecher oder einem Essen in mittelalterlicher Umgebung mit fast mittelalterlichen Anstandsregeln beim Essen.
Nur eine Kleinigkeit - denn abends wird gegrillt.
Dann gingen wir zum Bus.

Der Lausitzer Findlingspark Nochten mit seinen über 3000 gewaltigen Findlingen stand nun auf dem Programm. Er ist ein wunderschön gestalteter, großflächig angelegter Park, erbaut in den Jahren 2000 - 2003 auf dem Gelände des ausgebeuteten Tagebaus Nochten. Die Pflanzen und Gehölze waren noch klein. Mit über 30 Grad war es zu heiß, um lange im schattenlosen Park zu verweilen. Wir konnten aber doch die ganze Blumenpracht genießen, in Polstern um die Findlinge angelegt, die kleinen Bäume und Büsche, die Wasserläufe und Seen, eine wirklich bezaubernde Anlage. Dieser Findlingspark wird noch immer von Langzeitarbeitslosen, die in eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme des Bundes aufgenommen wurden, bearbeitet. Sponsoren sind u. a. die Fa. Vattenfall und das Land Sachsen. In unmittelbarer Nähe steht das Braunkohlekraftwerk Boxberg II, ebenfalls betrieben von Vattenfall.

Im Hotel angekommen, sahen wir schon die Vorbereitungen fürs Grillfest. Der laue Abend war geeignet, und wir ließen uns die leckeren Salate und guten Steaks schmecken.

Der Grillabend war so gelungen, daß die junge Küchen-Chefin unseren lauten Beifall bekam.

klicken zum VergrößernDonnerstag, 21. 6. 2007

8.15 Uhr Abfahrt nach Süden zur Stadtführung nach Görlitz (64.000 Einwohner). Sie begann mit dem Bus außen um die Altstadt herum. Da besitzt Görlitz Deutschlands größtes erhalten gebliebenes Gründerzeitviertel. Es gab keine Angriffe im 2. Weltkrieg, aber zu DDR-Zeiten wurden die unter Denkmalschutz stehenden Bauwerke sehr vernachlässigt. In den vergangenen Jahren wurden sie saniert, sie sehen prächtig aus; dazwischen immer wieder Bauten, die noch renoviert werden müssen. Unser Stadtführer freute sich beim Passieren einer Schule über die Jugendlichen, denn viele seien weggezogen.
Er erwähnte den 1913/1914 erbauten Jugendstilbahnhof.

Als die Führung zu Fuß beginnen sollte, prasselte der Regen bei einem heftigen Gewitter so stark, daß wir nicht aussteigen konnten. Der Stadtführer nützte aber die Zeit und informierte uns im Bus über die Stadtgeschichte.
Es regnete immer noch leicht, als wir sozusagen im Eiltempo durch die Altstadt gingen mit ihren Bauten der Gotik, Renaissance und des Barock. Denn um 12 Uhr begann die Demonstration der Sonnenorgel in der evangelisch-lutherischen Bischofskirche St. Peter und Paul.

Den vielen Zuhörern in der Kirche wurde die Orgel erklärt. Sie ist ein Meisterwerk abendländischer Orgelbaukunst und mit ihren spielbaren Sonnen (das ist eine Pedal-Mixtur) weltweit einmalig. Das Instrument erbaute Eugenio Casparini von 1697 bis 1703. Es wurde im Laufe der Jahrhunderte mehrfach verändert.
Wir hörten Musik von französischen Komponisten, von Mendelssohn-Bartholdy, zum Sommeranfang Geh' aus mein Herz und suche Freud' mit 5 Variationen, Lobet den Herren, und die Spieleregister wie Sonne, Nachtigall, Vogelgesang, Kuckuck.

Zum Kaffeetrinken fuhren wir zum Burghotel auf die Landeskrone (420 m), dem Wahrzeichen der Stadt Görlitz.

Die Fahrt zum Hotel war lang.

Übrigens wurden manche unserer Mitreisenden auf diesen Fahrten durch den Osten Deutschlands an ihre oder ihrer Familien frühere Heimat erinnert.

Mit einem "flammenden Eis" à la Traumschiff beendeten wir unseren Aufenthalt.

Freitag, 22. 6. 2006

Die Urlaubstage sind wieder so schnell vergangen. Ich glaube, daß manche mit Fürst Pückler sagen: "Es ist sehr angenehm zu reisen, aber vielleicht noch angenehmer, gereist zu haben".

Pünktlich um 8.30 Uhr verabschiedeten wir uns von Cottbus, es war kühl und bedeckt. Über Senftenberg fuhren wir der Autobahn zu, vorbei an Dresden zum "Auerswalder Blick". Nach einer Pause ab 10.40 Uhr von 1/2 Stunde saßen wir wieder im Bus. Ingrid Ollig hat sich in unserem Namen für die schöne, erlebnisreiche Fahrt bei den Wanderführern bedankt.

Wir sind 1 Stunde im Stau gestanden, mit Blick aufs Erzgebirge. So richtig Zeit, das Quiz zu lösen. Herr Kohlweiß hat es uns diesmal nicht leicht gemacht. Trotzdem haben Inge Schünke, Hilde Bischof, Willy Vöhringer und Erika Wolf 9 von 10 Fragen richtig beantwortet. Mit Sekt wurden die Gewinner belohnt.

"Aber jetzt, aber jetzt geht's weiter".

Mittagspause hatten wir von 13.30 Uhr an 1 Stunde in der Raststätte Vogtland.

Wir sind auf den langdauernden Fahrten so gut unterhalten worden:
von Frau Aßfalg mit Wissenswertem über unsere Reiseziele, von Herrn Vöhringer, auch mit selbstverfaßtem Lied, das wir gleich anstimmten, von Herrn Schumacher, Herrn Krauss, auch mit Mundharmonika, von Herrn Klink, Herrn Schuster, Herrn Kohlweiß, Herrn Sturm - immer interessant.

Auch war es genüßlich, so ruhig durch die Landschaft zu fahren, ab und zu mit einem Lied, oder die imposanten Windparks zu sehen.

Wir sind ca. 1700 km gefahren. Am Ende unserer Reise können wir nochmal mit Fürst Pückler sagen: "Das Reisen hat einen großen Wert an sich, einen noch größeren in der Erinnerung".

(Melitta Labbé)