| Wahrhaft galaktische Entfernungen wurden überwunden und das bei einem Wetter, an dem man redensartlich keinen Hund vor die Tür schickt. So lässt sich zusammenfassend die Wanderung vom Sonntag, den 11.11.(für manch einen der Start in die 5. Jahreszeit), beschreiben. Trotz schauriger, stürmischer Vorhersagen hatten sich mehr als 20 unerschrockene Teilnehmer eingefunden, die mal kurz auf dem Planetenweg einen Trip quer durch unser Sonnensystem wagen wollten. Vertrauensvoll ordneten wir uns der Führungscrew unter – bestehend aus Josef Eger und Dieter Holzwarth. Von der irdischen S-Bahnstation Favoritepark kommend begannen wir unsere Weltenreise an dem Punkt, um den sich alles dreht, an unserer lieben Sonne, Fixstern und Licht-, Wärme- und Energiespender für alles Leben auf unserer Erde. Hier erläuterte uns Sepp Eger die Bedingungen, zu denen wir unterwegs waren. Wir wanderten nämlich im Maßstab eins zu einer Milliarde (1 : 1 000 000 000); mit anderen Worten: machten wir einen Schritt von ca. 70 cm, so hätten wir im Weltraum bereits 700 000 km zurückgelegt, das entspräche einer ca. dreifachen Lichtgeschwindigkeit. Kein Wunder also, dass wir in kurzer Zeit Merkur, Venus, Erde, Mars, sogar Jupiter hinter uns gelassen hatten. Die lagen nämlich allesamt gemäß o. g. Schema an der Seeschlossallee. Saturn befand sich bereits hinter dem Schlossgut Monrepos und Uranus wurde zwischen Golfanlagen und Wilhelmshof erreicht. Hier oben auf dem freien Feld bekamen wir deutlich den vorherrschenden Sturm zu spüren, der freilich nicht kosmischer Natur war, sondern einfach nur irdischen Charakter hatte, aber stark genug, dass wir ihm trotzen mussten, um nicht vor- oder zur Seite geschubst zu werden. Aber was waren das bisschen Wind und unsere Plusgrade gegen die Klimaverhältnisse, die uns auf den Tafeln zu den jeweiligen Planeten genannt wurden – so im Durchschnitt unwirtliche 250 Celsius-Minusgrade! Der Planet Neptun wurde dann im dem kleinen Waldstück Brandholz erreicht und am Südrand des Bietigheimer Forstes bei dem Miniplaneten Pluto (mittlerweile zur Nummer! 134340 degradiert!) endete unsere virtuelle astronomische Exkursion.
Von hier aus wurde ganz normal weitergewandert und ein Schritt bedeutete nicht mehr und nicht weniger als eben ein Schritt. Der Pavillon im Bietigheimer Forst, auf den alle Wege sternenförmig zulaufen, bot uns ein wenig Schutz vor den Unbilden des Wetters und wir legten eine kleine Vesperpause ein. Doch danach ging es stracks am Fürstenstand vorbei, heraus aus dem Forst durch Obst- und Weingärten und nach einer Linkskehre führte der Weg hinunter zur Enz und Bahnlinie, deren Verlauf wir bis hinein in den Ort Besigheim, unserem Endziel, folgten. An diesem Tag hatten wir wenig Sinn für den Zauber der malerischen Altstadt und waren froh, als wir das wärmende Gasthaus Krone betraten. Mittlerweile prasselte ein kräftiger Regen nieder, von dem wir bis dahin verschont geblieben waren. Was gibt es da Gemütlicheres als von einer anheimelnden Gaststube aus durch Fensterscheiben dem Toben des Wetters zuzuschauen!? Doch es ließ sich nicht vermeiden: nachdem wir uns gewärmt und gestärkt hatten und Hans einige Dankesworte an unsere lieben Wanderführer Sepp und Dieter gerichtet hatte, mussten wir noch einmal hinaus in Wind und Regen, um zum Bahnhof zu gelangen – denn der kam leider nicht zu uns!
(Dorothea Göhler)
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