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Am 28. Juni 2008 unternimmt die Ortsgruppe Ludwigsburg des
Schwäb. Albverein eine
"Exkursion zum ehemaligen Truppenübungsplatz Münsingen"
Wer hat nicht schon vom Truppenübungsplatz Münsingen gehört! Vom Großvater, Vater oder jungen Männern die bei der Bundeswehr waren. Einblick auf und in dieses Gelände hatte ein großer Teil der Bevölkerung nicht gehabt, denn auf dem 1895 eröffneten, zunächst 3700 Hektar großen Übungsplatz, wurden Manöver abgehalten, wurde Schießen geübt, gedrillt, ausgebildet fürs üble Kriegshandwerk. Sicher wurde neben dem Erlebnis für ein Heerlager, auch gemurrt, verdammt, nach Luft geschnappt, geschwitzt bei Sonnenschein, gefroren bei Schnee, Nässe und Dreck. Wechselreiche Jahre gehen ins Land.
DasGebietTruppenübungsplatz Münsingen, jetzt 6700 Hektar groß, wird 2005 aufgehoben und nach dem Abzug des Militärs erschließt sich heute dem Besucher eine Kulturlandschaft wie vor über hundert Jahren. Kein Granattrichter, kein zerschossenes Gelände oder durch schwere Fahrzeuge zerstörter Boden, beeinträchtigt den heutigen Blick.Auch durch die frühere Nutzung wurde das Gebiet von Siedlungen, Straßenbau, Flurbereinigung und intensiverLandwirtschaft weitgehend verschont. Stets durch Schafe beweidet ist eine parkartige Weidelandschaft erhalten geblieben, wie sie im 19. Jahrhundert auf der Alb üblich war. Inzwischen ist dasGelände Herzstück des ca. 85500 Hektar großen Biosphärengebiets der Schwäbischen Alb, welches die Landesregierung 2007 ausgewiesen hat und 2010 von der Unesco anerkannt werden soll.
Die Exkursionsteilnehmer sind gespannt was Herr Fritz Merkle, einer der Münsinger Trüp-Guides -Truppenübungsplatzführer-, zu sagen hat. Gleich zu Beginn macht er aufmerksam, dass durch die langjährige militärische Nutzung einerseits sehr beachtliche Mengen gefährlicher Munitionreste sich noch im Gelände befinden, andererseits aber auch eine sehr seltene und wertvolle Tier- und Planzenwelt erhalten geblieben ist. Wir fahren mit dem Bus zu ausgewählten Orten innerhalb des Geländes. So zum sogenannten "Alten Lager". Anfang 1896 entstehen hier die ersten Unterkünfte für Führungskräfte und Soldaten. Alles klar konzipiert. korrekt, weitläufig, heute unter Denkmalschutz, aber ohne Leben. Der Weg führt hinein in die Landschaft, hinauf auf 835 m Höhe zum "Sternenberg", zu einem der Beobachtungstürme der Bundeswehr. Es ist einer der vier Türme welche der Schwäb. Albverein erworben hat und betreut. Hier hat man weiten Ausblick auf Weideland, auf Waldflächen, Buschwerk. Grünes sanft hügeliges Gelände, das nicht mehr von Fahrspuren zerfurcht ist.
Wir werden aufmerksam auf gelb bezeichnete Pfosten am Weg. Auf so bezeichneten Wegen und nur auf diesen, kann der Wanderer die Landschaft erkunden. Leichtsinnig querfeldein zu gehen kann tödlich sein, mahnt unser Führer eindringlich. Auf der ehemaligen breiten PanzerstraäÏe kommen wir weiter. Unterwegs macht uns Herr Merkle auf Geländeformationen aufmerksam wo sich Stellungen für leichte und schwere Geschütze und Panzer befunden haben und welches Gelände beschossen wurde. Dass da auch manches Geschoss daneben ging zeigen Bäume am Weg, welche trotz sichtbar zahlreichen Geschossnarben weiter wachsen. Wir kommen am Ausbildungshof für junge Pferde, das Remonte-Depot, vorbei. Hier wurde in früherer Zeit Pferde an Kriegs- und Geschützlärm gewöhnt. Ein weiterer Turm "Heroldstatt", ein 30 m hoher Metallturm wird erreicht und bestiegen. Neue Aussicht und man kann es kaum glauben was sich vorher auf dieser Landschaft abspielte.
Eine zerschossene Weidbuche mit skuriler Baumkrone steht in der Nähe. Einst im Buschwerk stehend ist sie zu mächtigem Stamm herangewachsen und ist trotz seiner dürren Kronenästen ökologisch wertvoll. Hier ist der Specht zuhause, dem Bussard dient er als Ausguck. Daneben stehen mehrstämmige Baumgruppen, zuBeginn von den Schafen immer wieder abgeknabbert, sind es heute Nistplätze für viele Vogelarten. Hier brütet das selten gewordene Braun-und Schwarzkehlchen, Steinschmätzer und Neuntöter der andernorts kaum mehr zu finden ist. Für Schmetterlinge ist auf vielfältigen ungedüngten Blumenwiesen der Tisch reich gedeckt und überall im weiten Rund sind weidende Schafherden auszumachen. Es riecht nach Heu, man atmet saubere gute Luft. Die Waldflächen werden wie eh und je beforstet, Wildbestand gehegt und auch entsprechend abgeschossen. Dem Auge bietet sich ein landschaftliches Idyll das unbedingt erhalten und bewahrt werden muß. Lebhaft, eindrucksvoll, mit viel Wissen, vermittelt uns Herr Merkle das Biospärengebiet.
Wir verlassen die Panzerstraße und fahren auf einer ehemaligen Poststraße in einen weiten Talgrund, den Achenbuch, hinab. Der fließende Übergang zwischen den Waldflächen und dem beweideten Offenland prägt den Charakter dieser Landschaft. Bunkerreste stehen in den Wiesen und erinnern an das vormals genutzte Gebiet. Die Beobachtungstürme Lindequist, Waldgreuth und Hursch sind auf den Anhöhen auszumachen. In der Ferne ist die Kirche vom ehemaligen Dorf Gruorn zu sehen. Der Ort mit 600 Einwohnern wurde ab 1937 ins Übungsgelände einbezogen und ist deshalb gänzlich umgesiedelt worden. Wir rasten, besuchen dann die Kirche in romanischen und gotischen Baustil und den umgebenden Friedhof, der von Mitgliedern eines Komitees ehrenamtlich gepflegt und erhalten wird. Später erreichen wir die Schießbahn 12. Ein großes, mit Auffahrt-und Abschussrampen ausgestattetes Gebiet, welches früher über einen Gefechtsstand computergesteuert, bewegliche Ziele in der Landschaft bediente.Das weite Halbrund endet am Ziel am Trailfinger Kopf in einem Steinbruch. Unzählige scharfe Munition befindet sich dort noch im Gelände. Wieder sind wir konfrontiert mit Dingen welche gar nicht so recht zur Landschaft im jetzigen Zustand passen.
Auf jeden Fall ist man überzeugt, dass der ehemalige Münsiger Truppenübungsplatz einer weit besseren Nutzung zugeführt wurde. Es ist zu hoffen, dass der Tourismus oder wirtschaftliche Interessen dieses einmalige Gelände nicht zu sehr überflutet. Wir kehren nach Münsingen zurück. Bei einer Einkehr wird Herr Fritz Merkle herzlich gedankt für seine aufschlußreiche, engagierte Führung durch den ehemaligen Truppenübungsplatz. Sicher wird der eine oder andere der Teilnehmer diese herrlich erhaltene Naturlandschaft wie sie sich jetzt darstellt wieder mal besuchen. Werner Breckle und Peter Mugele als Verantwortliche für diesen erlebnisreich gestalteten Tag ist ebenfalls herzlicher Dank gesagt worden.
(Wolfgang Staudenmayer)
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