|
Wer die seitherigen 2-Tages Hüttenwanderungen der Ortsgruppe Ludwigsburg des Schwäb. Albvereins mitgewandert ist, weiß wie schön und erlebnisreich diese Tage immer waren.
Dieses Jahr hatten die Wanderführer Werner Breckle und Klaus Ollig wieder ein besonderes "High Ligth" organisiert und vorbereitet: Der reizvolle Donaudurchbruch zwischen Tuttlingen und Sigmaringen, wo sich die noch junge Donau seinen Weg suchen muß. Er schlängelt sich gleich einem silbernen Faden durch das helle Grün der Talwiesen. Die dunkelgrünen Wälder, in die sich die Steilhänge gekleidet haben, begleitet ihren Weg und weiße Kalkfelsen liefern die bizarre Bekrönung des Landschaftsbildes. Über Stuttgart-Tuttlingen und der Hohenzollerischen Nebenbahn erreichte man den Ausgangspunkt des 1. Wandertages, die Haltestation Hausen nahe Beuron.
Herzlich begrüßt Werner Breckle die Teilnehmer, dabei auch zwei Wanderfreunde aus der OG-Oberndorf, mit der man dieser Tage 30 Jahre Freundschaft gefeiert hatte. Der Rucksack wird geschultert, den Blick hin zur Kulisse der Hausener Zinnen, beim Brückenheiligen St.Nepomuk die Donau überquerend, geht es durch Feld, später dann auf weichen Naturpfaden Berg- und Waldwärts.Das Ziel, zunächst die mächtige Burg Wildenstein, hoch über dem Donautal. Die vielen Aussichtspunkte am Weg sollten eigentlich alle erwandert werden, weil jeder einen anderen Blick ins Tal bietet, wir haben den "Bischofsfelsen" erreicht. Herrlich die Ausschau. Gegenüber ist der steilaufragende Waldhang mit schroffen Felsabstürzen zu sehen und auf hohem schmalen Felsgrat hell leuchtend unter blauem Himmel "Schloß Werenwag". Den Kalk bindende Korallen und Schwämme haben im Jura-Meer die festeren Brocken im Meeresboden geschaffen. Mit diesen härteren Kalken wird auch das Flusswasser nicht so leicht fertig, sodaß die s.g. Schwamm-Stotzen nun all die vielen bizarren Türme, Wände und Zacken des Donaudurchbruchs und aller anderen Albtäler bilden.
Durch Wald weiter kommt man zum Naturdenkmal "Hohler Felsen". Unterwegs gibts für Interessierte von Klaus Ollig Unterricht über die Einnordung einer Landkarte. Was ist ein Trigometrischer Punkt? Stimmt der eigene Kompass mit den Richtungslinien auf dem Stein überein? Dann kommt man zum Ausblick auf breiter Felswand, dem "Bandfelsen". Immer wieder andere schöne Sicht, z.B. Schloß Werenwag jetzt mit seiner ganzen Vielfalt an Gebäuden auf der gegenüberliegenden Talseite. In weitem Bogen dann steil abwärts und aus dem Talgrund in engen Kehren wieder aufwärts, wird dann die Hochebene und der Waldrand erreicht.Die "Burg Wildenstein" liegt vor uns. Blendendweiß die Mauern, und ziegelrot das Dach, thront hoch über dem Tal das Felsennest, ist mit zwei Zugbrücken gesichert, hat mächtige Schildmauer und ist einst nur von vier Muskedieren und einem Kommandant bewacht worden und infolge deren Unachtsamkeit, im 30 jährigen Krieg vom Feind, den Schweden, nur einmal bezwungen. Heute ist Burg Wildenstein eine der schönsten Jugendherbergen. An vielerlei Stellen hat man weite Sicht hinab zum Tal, hinein in eine weite Donauschleife wo auch, von gewaltigen Felsabstürzen umgeben, das Benediktiner-Kloster Beuron liegt. Im großem Burghof machen die Wanderer Rast. Später gehts durch die breiten Burggräben, hier ist das riesige hohe Mauerwek der Burg nochmals augenfällig, hinab zu Tal. Jetzt unterhalb der Bandfelsenwand, ist eine imposante Höhlenkulisse zu sehen. Weiter hinab, durch Waldwildwuchs, hohen Himberstauden, auch Nesseln, durch Hangwald, wird später im Tal der Donausteg überquert um auf die andere Talseite zu kommen. Ein letztes Mal geht es jetzt im Wald stetig aufwärts zur Hochebene "Himmelreich und Hölle" und in Richtung Tagesziel: "Das Wanderheim Rauher Stein". Ein Teil der Gruppe geht noch zum "Eichfelsen". Der Rest der Gruppe geht über Wiesen zum nahen Wanderheim. Dort erhält man ein sauberes Quartier und zu gegebener Zeit ein gutes Nachtessen. Die Wandergruppe läßt den Tag bei Gespräch, Erinnerungen an andere Wanderfahrten und lustigen Darbietungen ausklingen. Jetzt ist jeder müde und schläft dem neuen Wandertag entgegen. Ein sonnig schöner 1. Wandertag ist zu Ende.
In der Nacht weht ein kräftiger Wind, es regnet stark, doch am Morgen ist fast klares Wetter, im Talgrund sind noch letzte Nebel. Gut ausgeschlafen beginnt der Tag. Packen, Frühstück, 9 Uhr Abschiedslied, Dank an das Wanderheimteam und der 2. Wandertag beginnt. Bis Mittag will man beim "Knopfmacherfelsen" sein. Zunächst geht es auf der Hochebene nach Irndorf: Am Dorfrand entlang, durch Feld und Flur, durch Wald und weiten Wiesen.
Zu einem Soldatenfriedhof müssen wir im Wald talwärts und stehen dann vor dem gepflegten Ehrenmal von Soldaten, welche im Franzosenkrieg 1804 im Kloster Beuron in der damaligen Lazarettstation verstorben sind. Bedrückend allerdings Grabkreuze für die durchweg jungen Soldaten zu Ende des 2. Weltkrieges. In der Nähe liegt auf vorspringender Felskuppe ein kleiner Rundtempel welcher, die Toten der Kriege ehrt. Beim Aufbruch wird das richtige Wegzeichen gefunden, wir müssen aber zunächst aufwärts gehend viel Wildwuchs, vom nächtlichen Regen her noch nass, durchwandern. Etwas beschwerlich, abenteuerlich, bringt das Abwechslung für die Wanderer und bald ist man wieder auf der Hochebene. Nun aus dem Wald kommend ein schöner sonniger Weg, vorbei an weitflächigen Wiesen. Geruch von frischem Heu streicht um die Nase, ab und zu Vogelgezwitscher, Schmetterlinge aller Art auf Blüten und Gräsern, läßt die Wanderer staunen. Eine Landschaft fast parkartig mit Busch- und Bã£umengruppen. Einfach schön, erholsame Ruhe, dazwischen Ausblicke zu den gewaltigen Probst-und Schwarzwagfelsen. Bis wir dann beim Knopfmacherfelsen-Restaurant von der Realität unserer Zeit, eingeholt werden. Denn dort wo Parkplätze und Aussichtspunkte locken, dort läßt sich der Zivilisationsmensch aus dem Auto fallen und wünscht mit wenig Anstrengung möglichst viel Natur zu erleben. Diese Stellen sind aber in den "Oasen der Ruhe" der Naturparklandschaft sehr wenige, die vielen stillen Schönheiten bleiben unbehelligt und die Wanderer bleiben allein auf den Pfaden des Albvereins. Wir nehmen die Gelegenheit wahr um Rast und Einkehr zu halten. Dann wird der Knopfmacherfelsen besucht. Eine Aussichtskanzel, hinausragend in den Abgrund, läßt den Blick weit in die Runde schweifen, hin zum Kloster Beuron, hin zum Schloß Bronnen. Dann verlassen wir die wirklich unruhige Stätte, tauchen wieder ein in Ruhe und Natur. An beiden Tagen sind wir tatsächlich kaum jemanden begegnet. Am Weg ein schön restauriertes Kirchlein. Bunte Glasfenster erleuchten den dunklen Raum mit Altar, Bildwerk und Andachtsstelle für verunglückte Kinder des Seilbahnunglücks Sölden. Nun streben wir dem Ziel des Wandertages, das Städtchen Friedingen, an. Stetig geht es bergab. Seitlich am Weg lädt der "Stiegelsfelsen" nochmals zu schöner Aussicht ins Land und hin nach Friedingen. Weiter hinab über den Burgsteig wird das Städtchen, mit teilweis schönen Fachwerkhäusern, erreicht. Es bleibt noch Zeit zu einer Schlußeinkehr. Dort wird den verantwortlichen Wanderführerern Werner Breckle und Klaus Ollig herzlich gedankt für die von Ihnen sehr gut vorbereitete und durchgeführte Wanderfahrt. Sie haben die Teilnehmer in ein Stück Natur geführt, das nicht so bedrohlich hoch und schroff ist wie das Hochgebirge. Die Alb hat ein menschliches Maß, auch dort, wo sie wild, imposant und einsam ist. Allen Teilnehmern werden die Tage in guter Erinnung bleiben und für die Verantwortlichen Ansporn sein auch nächstes Jahr gleich schöne Tage anzubieten. Es ist Zeit zur Heimfahrt.
(Wolfgang Staudenmayer)
Rückblicke auf die Hüttenwanderungen der vergangenen Jahre
|