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Rückblick auf die Faschingswanderung 21.-22.-Febr. 2009

Eninger Weide

Samstag morgen wollte es gar nicht recht hell werden. Wäre nicht Ausschlafen angesagt gewesen, hätte sicher mancher zu früherer Stunde lieber noch einmal die Decke über den Kopf gezogen. Stattdessen versammelten sich um 10 Uhr vierzehn Unentwegte am Bahnhof, um dem Wanderführer Werner Brekle und seinem „HiWaFü“ für heute, dem „Hilfswanderführer“ Klaus Ollig, zunächst mit 2x Umsteigen nach Urach zu folgen. Dort hielt Werner seine Begrüßungsansprache, und während des Lauschens packten wir schon mal Schirme und Regenumhänge aus. In Richtung Uracher Wasserfall bogen wir ab auf den HW1, um dem roten Dreieck zu folgen. Die Landschaft hatte die Farbe gewechselt, sie hatte sich mit einem weißen Laken zugedeckt, d.h. es war schon mehr ein Federbett. Der Regen ging in Schnee über, von dem ja eigentlich schon genug lag. Ein Stück war ja noch für Kurgäste geräumt, aber Kurgäste laufen bekanntlich nicht sehr weit. Jetzt hieß es Spur legen. Fünf wackere Männer unserer Gruppe wechselten sich darin ab, der sechste machte die Nachhut, falls einer stecken bliebe. Wir kleineren Frauen hatten Mühe, in diesen Fußstapfen zu folgen. Es war mehr ein Kneippgang oder auch wie Störche im Salat, so hoch mussten wir immer die Stiefel lupfen, um den nächsten Tritt zu erreichen…und verwechseln durfte man die Füße möglichst auch nicht, sonst ging es nicht auf. In der Kreuzhütte gab es allerhand zu lesen, was andere an den Wänden hinterlassen hatten. Danach erreichten wir eine Gabelung mit 2 relativ ebenen Möglichkeiten und einer „Direttissima“. Das Wanderzeichen und Werner kannten kein Erbarmen. Steil nach oben stapfte es sich noch schwerer. Stockeinsatz war auch nicht hilfreich, man musste die Dinger ja immer wieder rausziehen. Aus dem Schneenebel tauchte eine Bank auf. Von Klaus erfuhren wir, dass wir auf dem Rutschenfelsen standen, von dem man einen herrlichen Ausblick haben soll. Der Name stammt aus der Flößerzeit, als man von hier oben die Stämme in die Erms rutschen ließ, damit sie via Neckar und Rhein in Holland zum Schiffsbau verwendet werden konnten. Nach der Apfelpause gelangten wir ganz unerwartet auf ein gespurtes Wegstück, das sich aber leider als Kurzstrecke herausstellte. Es ging weiter im Tiefschnee. Zwischen Fohlenhof und dem Gestüt St. Johann konnten wir die Fahrspuren von Geländewagen nutzen und sogar kurz auf geräumtem Weg wandern. Für die Strecke von ca. zwölf Kilometern haben wir etwa fünfeinhalb Stunden gebraucht, als wir im Wanderheim „Eninger Weide“ in 750 m Höhe ankamen. Wärme und Kaffeeduft empfingen uns und wir konnten endlich die nassen Stiefel und Socken ausziehen. Die Hüttenwirtin hatte tolle Kuchen gebacken und der Zapfhahn war auch nicht gefroren im Gegensatz zu dem Rieseneiszapfen an der Kette der Dachrinne. Wir besichtigten unsere Quartiere und ich erlebte zum ersten Mal ein Matratzenlager. Wir bezogen die Betten, d.h. jedes zweite in  der Reihe, denn wir waren nur zu 4  Frauen im 7er Zimmer. Zum Vesper á le Carte trafen wir wieder in der Wirtsstube zusammen, wobei einige bereits Faschingszubehör aus den Rucksäcken gezaubert hatten. Das ließ die anderen nicht ruhen und schließlich hatten wir uns alle irgendwie verändert. Am Tisch saßen jetzt Seeleute, Orientalen, Lausbuben, Putzfrauen, Bauernkittel und Fantasiekostüme. Zwar fehlte uns die Musik, denn Dieter Siebel mit dem Akkordeon feierte zuhause seinen Geburtstag, zu dem wir ihm per Handy im Chor ein Ständchen brachten. Aber Spaß hatten wir trotzdem bei allerhand lustigen Texten, Witzen und „lebenden Bildern“ in dem schön dekorierten Raum. Es ist nicht so spät geworden wie sonst schon, wussten wir doch, dass der 2. Tag es auch in sich haben würde. Munter traf man sich zu einen guten Frühstück wieder. Nach Abrechnen und dem Abschiedslied stapften wir wieder los. Es hatte noch mehr dazu geschneit, dafür war aber klare Sicht. Drei aus der Gruppe zogen es vor, das Wochenende abzukürzen und gleich in Eningen den Bus Richtung Heimat zu nehmen. Für die geschrumpfte Gruppe ging es weiter im knietiefen Gänsemarsch, dem einzigen echten Schwaben hinterher, wie wir am Vorabend festgestellt hatten. Gerade hier und jetzt fanden wir die weite weiße Stille richtig schön. Werner mit Klaus als „Kartenleser“ führte uns sicher über verborgene Wiesen, an Waldrändern entlang, an einem Segelfluggelände vorbei – wo ich vor Übermut einen „Adler“ in den Schnee legte – durch Übersberg und Göllesberg zum  Stahlecker Hof. Dort war der Parkplatz voll, denn wie wir zu Fuß unterwegs war sonst niemand. Wir saßen schön im Warmen und es schmeckte vorzüglich. Gestärkt, machten wir uns auf den Rest des Weges. Über Holzelfingen hinweg grüßte von weitem Schloss Lichtenstein und nach Unterhausen ging es dem Namen entsprechend deutlich runter. Wer jetzt Stöcke hatte, war klar im Vorteil. Die Schneehöhe nahm schnell ab und es wurde nasser, und pappig bis schmutzig. In Unterhausen überholte uns der Bus, bemerkte aber unser Winken und wartete ein Stück weiter vorn an der Haltestelle. Der Spurt im Laufschritt war für uns Stiefel- und Rucksackträger eine reife Leistung. Die Bahn brachte uns von Reutlingen nach Stuttgart und nach kurzem Umsteigen weiter heil nach Ludwigsburg. In der Vorfreude auf ein warmes Bad und einen gemütlichen Abend dankten wir begeistert und herzlich den Wanderführern für dieses ganz besondere Wochenende.

(Gisela Seltmann)