Logo - Schwäbischer Albverein - Ortsgruppe Ludwigsburg
Schwäbischer Albverein - Ortsgruppe Ludwigsburg
 
../whatsnew.htm
 

klicken zum VergrößernRückblick auf die Wanderung "Naturparadies im Neckartal" am 23.04.2009

 

Was im Jahresplan für den 23.04. als Wanderung deklariert ist, war keine Wanderung im üblichen Sinne, kein Streckenbewältigen, sonder eher ein Innehalten, ein aufmerksames Verharren - und das war gut so. An diesem Tag war nicht Flüchtigkeit gefragt, sondern eine Eindringlichkeit, die es ermöglicht, eine Welt zu erschließen, die einem Hastendem verborgen bleibt..

klicken zum VergrößernEine überschaubare Gruppe von cirka zwanzig Interessierten war nach Pleidelsheim gekommen, um an einer vogelkundlichen Führung teilzunehmen.Der Ornithologe Professor Dr. Claus König und seine Frau Ingrid nahmen uns auf der Kanalbrücke unweit der Schleuse südlich von Pleidelsheim in Empfang und bis zu dem auf einem Landstrich zwischen Neckarkanal und altem Flusslauf gelegenen Naturschutzgebiet waren es nur wenige Schritte. Unsere Entdeckungstour begann gleich mit einem Höhepunkt: die Nilgans wurde gesichtet! Wie Herr Dr. König uns in seiner Begrüßungsansprache berichtet hatte, waren im Lauf der letzten Jahre und Jahrzehnte viele Vögel von der Bildfläche verschwunden - die Rohrammer z. B. und viele mehr, aber einige sind auch neu hinzugekommen und so eben auch die Nilgans. Sie ist eigentlich in Nordafrika beheimatet, wurde aufgrund ihres hübschen bunten Gefieders bei uns in Gärten als Ziervogel gehalten, einige seien wahrscheinlich ausgebüxt, haben sich vermehrt, sind zunächst im nördlichen Teil Deutschlands heimisch geworden, aber mittlerweile gibt es auch die ersten Paare in Nordwürttemberg.klicken zum VergrößernMit bloßem Auge als ein winziger Punkt im Wiesengras für uns wahrnehmbar, war sie mit Fernglas, mit dem jeder von uns ausgestattet war, doch einigermaßen gut zu erkennen. Später durften wir sie noch im Flug erleben. Doch das eigentliche Leben spielt sich in und um einen mitten im NSG liegenden Baggersee und auf desssen Insel ab. Hier machte uns Dr. König auf die Nester der Graureiher aufmerksam. Unsere Augen suchten eifrig im Geäst der Baumkronen, aber erst als wir einen Blick durch Dr. Königs Spektiv geworfen hatten, das genau auf eines dieser Nester gerichtet war, konnten wir es mit unseren Ferngläsern auch orten. Ich staunte nicht schlecht, wie groß so ein Nest ist und die Jungen waren auch schon ganz schön gewachsen! Ein Schwarzer Milan würde sich auf einem Baumwipfel befinden, so Dr. König. Ich in meiner Unkenntnis hielt nach einem rabenschwarzem Vogel Ausschau, bis ich mit einem Blick durch Dr. Königs Fernrohr feststellte, der ist ja gar nicht schwarz, sondern braun meliert und heißt nur so zur Unterscheidung vom Roten Milan, dessen Gefieder einen rote Komponente hat. Zu meiner Ehrenrettung darf ich aber sagen, dass es nicht nur mir so erging. Unsere Blicke tasteten sich von den Baumkronen hinunter aufs Wasser. klicken zum VergrößernAuch dort war einiges geboten. Neben den am Ufer stehenden, auf dem Wasser schwimmenden oder umherfliegenden Graureihern, Kormoranen, Ringeltauben, Elstern, Rabenkrähen, Teichhühnern und Bachstelzen erregte besonders ein Haubentaucherpärchen unsere Aufmerksamkeit. Sie hockte im Nest auf ihrer Brut, während er sie schwimmend umkreiste. Würde sie sich wohl gleich von ihm ablösen lassen? Jetzt!? - Sie regt sich! Aber nein, Madame hatte sich nur ein wenig geräkelt und übernahm wieder selbst das Brutgeschäft.

klicken zum VergrößernDoch es gab nicht nur für die Augen zu schauen und zu beobachten, auch für die Ohren gab es mancherlei zu hören und zu lauschen. Aus der Sinfonie des Vogelgezwitschers war besonders das Schlagen der Nachtigall, der melodische Gesang der Mönchgrasmücke und der Buchfink herauszuhören. Für einige Minuten gaben auch einige Seefrösche ihr Bestes und stimmten mit lautem Gequake in das Konzert mit ein.

klicken zum VergrößernEinige Schritte weiter am See entlang befindet sich am Ufer eine Beobachtungsplattform. Auch aus diesem Blickwinkel gab es einiges zu entdecken. Dank dessen, dass Herr Dr. König ihn mit seinem Spektiv im Visier hatte, konnten wir am gegenüberliegenden Ufer einen Nachtreiher ausmachen, zwei, drei braunrosa gefärbte Rostgänse und eine kleine Weißkopfmöwe zogen auf dem Wasser ihre Bahn, eine Schildkröte wurde gesichtet, auf einem Inselchen zwischen morschen Baumstümpfen im Gebüsch hatten sich Stockenten häuslich eingerichtet, aber auch Blesshühner, Teichhühner, Bachstelzen und ganz normale Krickenten wurden gesehen. Und aus ganz geringer Entfernung vernahmen wir wieder das Tirilieren der Nachtigall.

klicken zum VergrößernWir trennten uns ungern von dieser Idylle und nur weil sich die Prophezeiung des Wetterberichtes erfüllt hatte und es im Lauf des Vormittags empfindlich kalt geworden war, kehrten wir diesem Kleinod von Naturparadies, das doch so nah vor unserer Haustür liegt, den Rücken. Dank des fundierten Fachwissens und der Erfahrung von Herrn Dr. König sind uns für manches die Augen geöffnet worden, was wir sonst im Vorübergehen gar nicht wahrgenommen hätten. Wir waren uns einig, dass es sich gelohnt hat, uns die Zeit für dieses Erkundungsprojekt genommen zu haben und möchten es im nächsten Jahr gerne wiederholen. Selbst bei der anschließenden Einkehr konnten wir uns nicht gleich vom Erlebten lösen, plauderten noch viel darüber, ein Album mit Vogelaufnahmen machte die Runde und zur Erinnerung wurde die DVD mit dem Titel "Naturparadies im Neckartal" - gefilmt von dem Ehepaar König - erworben.

 

(Dorothea Göhler)