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klicken zum VergrößernEin Tag "Auf dem Weinwanderweg im Kraichgau"
von Münzesheim - Neuenbürg - Pfannenwald - nach Zeutern am 26 April 2009

Die Ortsgruppe Ludwigsburg des Schwäb.Albvereins machte es wiederum möglich in einer schönen Region, "dem Kraichgau“, zu wandern.


Der Kraichgau ist eine tiefe Mulde, welche zwischen dem Odenwald und dem Schwarzwald einsank als diese Gebirge sich im Tertiär vor etwa 65 Millionen Jahren bildeten und dazwischen die heutige Oberrheinische Tiefebene bildete. Im Eiszeitalter wurden in diese Ebene große Mengen Löss befördert, hat sie bis zu 30 Meter Dicke aufgeschichtet, ließ sehr fruchtbaren Boden entstehen was bis heute die Grundlage für intensiven Ackerbau ist. Wegen des relativ milden Klimas wird der Kraichgau auch als "Badische Toscana" bezeichnet. Die Hügellandschaft, welche auch Weinanbau ermöglicht, wird begrenzt von Odenwald, Schwarzwald, der oberrheinischen Tiefebene, von Stromberg, Heuchelberg und Zabergäu.

klicken zum Vergrößern Neben den großen Städten wie z.B. Bretten und Bruchsal ist in dieser Hügellandschaft die Vielzahl überwiegend bereits im Mittelalter besiedelten Dörfer kennzeichnend. Kraichbach, Pfinz, Saal-, Schwarz- und Leinbach, sind die größeren Flüsse. Als höchste Erhebung im Kraichgau ist der Burgberg der Burg Steinsberg bei Sinsheim-Weiler, auch als Kompass des Kraichgau bezeichnet, zu nennen und war bereits Ziel einer Wanderung. 769 wird der Kraichgau urkundlich als Creichgowe, später 773 auch als Chreehgauui oder Craichgoia erwähnt oder 1594 die wesentlich spätere Namensform Kreuchgau. Der Name Kraich geht vermutlich auf das keltische Wort Creuch für Schlamm und Lehm zurück. Der Begriff Gau bezeichnet ein offenes waldfreies Gebiet bzw. Ackerland. Der Kraichgau zählt zu den ältesten Kulturräumen Europas. In diesem Gebiet war bereits ein entfernter Verwandter des modernen Menschen, der "Homo heidelbergensis", zu Hause. In dem leicht bebaubaren und ohne Schwierigkeiten zu durchquerenden Siedlungsgebiet wurden aus Jungstein- und Bronzezeit viele Funde gemacht, welche auf laufende Besiedelung hinweisen. All dies vermittelte Wanderführer Norbert Tauscher bei der Begrüßung den Wanderfreunden zu Beginn der Wanderung in Münzesheim. Zusammen mit seiner Frau hat er den Tag wie immer erstklassig, interessant und landschaftskundig vorbereitet und durchgeführt. Münzesheim wird erstmals 828 erwähnt und vom ortsansässigen Adel beherrscht. 1326 kam der Ort an Baden. Eine wechselvolle Geschichte begann bis dann 1530 die lutherische Reformation eingeführt wurde. Markgraf Friedrich von Baden überließ 1675 seinen beiden Söhnen, den Freiherren von Münzensheim, den Ort. Wechselvoll die weitere Ortsgeschichte, welche 1971 mit der Gemeindereform endet und zur neuen großen Ortslandschaft Kraichtal wird .

klicken zum Vergrößern Zunächst wird dem Zeichen des Europäischen Weitwanderwegs entlang, hinein in die hügelige Landschaft, gewandert. Blühende Bäume, Wiesen-und Ackerflächen wechseln ab, Wald begrenzt den Horizont. Da und dort Weinberganlagen. Sonniges Gelb läßt große Rapsfelder leuchten. Frischgrüner Wald mit weichen Wegen ist schön. Die runden Kuppen der Landschaft, es geht auf und ab, sind ohne große Mühe zu erreichen. Von den Anhöhen hat man herrliche Rundumblicke. Immer wieder werden am Weg die Namen blühender Blumen und Pflanzen nachgefragt. Da wachsen der giftige Aronstab und Salamonsiegel, da ist Waldmeister, das Veilchen, die Walderdbeere, das Maiglöckchen, der Bärlauch und vieles mehr auszumachen. Vogelstimmen werden erklärt. An schönem Platz im Wald wird Rast gemacht. Weiter über Feld, im Taleinschnitt liegt die Gemeinde Neuenbürg, geht es in den Forstwald hinein. Bald geht es bergab und dann dem noch jungen Katzenbach entlang liegt später ein idyllisch gelegener Waldsee im Naturschutzgebiet Pfannenwald am Weg. Ein sonniger Uferrand lädt zur Rast ein. Enten werden gefüttert. Um ein am Uferrand schwimmendes graues Tier wird gerätselt. Ein Biber? Eine Bisamratte? Offensichtlich Ausflügler gewohnt werden Apfelreste gerne angenommen. Hin und her paddelt das Tier mit langem Schwanz und schwupp taucht es wieder im See unter. In Ufernähe sonnt sich auf Schwemmholz eine Wasserschildkröte.

klicken zum Vergrößern Die Wanderer gehen ausgeruht weiter hinein in den Streitwald, jetzt dem grünen W, dem Weinwanderwegzeichen, entlang. Schön im lichtgrünen Wald auf vielfach weichem Pfad zu gehen. Bei einem Ausblick ist das Endziel des Tages, das Städtchen Zeutern, auszumachen. Zuvor wird aber noch ein Naturdenkmal, ein tief eingeschnittener Hohlweg, eine sogenannte "Hohle", hinab zum Ort begangen. Wild, zerfurcht, ausgewaschener Lössboden wird sichtbar, mit viel morschem Holz an den steilen Hängen, ist der enge von Wasserfurchen zerrissene Weg zu gehen. Zeutern ist erreicht. Der Ort ist erstmals als Villa Ziuterna um 770 erwähnt. Zunächst im Besitz des Klosters Odenheim, kam der Ort 1225 an die Herren von Kislau und 1241 an das Fürstbistum Speyer.

klicken zum VergrößernDas Adelsgeschlecht Zeutern läßt sich bis in 13.Jh. zurückverfolgen. Gegen die Vorstellung von König Rudolf entwickelte sich Zeutern aber nicht entsprechend und der Ort blieb ein Dorf. Immer wieder wird es von Kriegen und Epedemien heimgesucht. Heute ist Zeutern ein sauberer gepflegter Weinort, denn der Weinbau ist seit 1150 belegt, was dann im gastfreundlichen Lokal wahrgenommen wurde. Später wurde von den zufriedenen Wanderfreunden dem Ehepaar Tauscher für den gut geführten, schönen Wandertag herzlicher Dank gesagt. Sicher bleibt es nicht beim Wunsch wieder einmal einen Wandertag in die vielfältige Landschaft des Kraichgaus vorzubereiten und zu unternehmen.

(Wolfgang Staudenmayer)