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Rückblick auf die Wanderfahrt "Naturpark Augsburgs Westliche Wälder" vom 13.05. - 16.05.2009
Es waren keine guten Vorzeichen, unter denen wir die Frühjahrsausfahrt "Naturpark Westliche Wälder" antraten. Ich konnte die Wetterseite im Internet so oft aufrufen wie ich wollte, die Vorhersagen wurden davon nicht besser. Sie prophezeiten das gleiche Wetter, wie wir es zum Zeitpunkt der Abfrage bereits hatten hinnehmen müssen: immer wieder kräftige Gewitter mit ergiebigen Regengüssen, die mancherorts sogar zu Überschwemmungen geführt hatten. Unser Wanderführer Norbert Tauscher teilte uns gleich nach der pünktlichen Abfahrt sorgenvoll mit, dass er mit seiner Frau Irmi schon Alternativen für den Fall von unbegehbaren Wegen wegen Schlammlawinen oder Überflutungen ausgearbeitet hätte. Auch wir Wandersleut' waren aufs Schlimmste gefasst, hatten vorsorglich alles doppelt und dreifach eingepackt, aber verzagen wollten wir dennoch nicht.
Kaum einer von uns war schon in dem Naturpark westlich von Augsburg gewesen. Es ist ein weniger bekanntes Erholungs- und Naturschutzgebiet, das sich auf 1200 Quadratkilometer südlich der Donau zwischen den Flüssen Wertach bzw. Schmutter im Osten und der Mindel im Westen erstreckt. Die Landschaft ist großflächig gewellt, was ihr mit den vielen Wiesen einen anmutigen Charakter verleiht. Große Erhebungen gibt es eigentlich nicht, auch kaum Ackerbau. Die Fläche ist zu 45% mit Wald bedeckt. Die Gegend ist nur dünn besiedelt, aber wenn irgendwo ein kleiner Ort, dann prangte mittendrin eine schmucke Kirche, auch bei den Maibäumen ließ man sich nicht lumpen.
Hinter Anhausen starteten wir die erste Etappe unserer 4-tägigen Exkursion. Der bekannte Golfspieler Bernhard Langer wurde in diesem Ort geboren und so war denn auch ein Golfplatz nicht weit, der rechts unseren Weg säumte. Linkerhand lagen etliche verträumte Fischteiche und die romantische Stille wurde nicht nur durch unser Geplapper, sondern zuweilen von Froschquaken unterbrochen. Besonders hübsch fand ich an diesem Tag den Blick über Wiesen hinweg auf das ehemalige Schloss Hardt - heute ein Gutshof. Und da wir zeitig dran waren, ließen wir uns am Ende der Tour des ersten Tages im Biergarten "Zum Grünen Baum" in Reinhartshofen nieder, wo es nicht nur erfrischende Getränke sondern auch selbstgebackenen Kuchen gab. Und ,nomen est omen': die Biertischgarnituren befanden sich unter herrlich blühenden Kastanien - rot und weiß, wie wir sie oft in dieser Gegend antrafen, manchmal sogar mitten im Wald. In den Ortschaften, durch die wir kamen, blühten noch üppig der Flieder, der Goldregen und manches mehr, was bei uns zu Hause längst dahinwelkte.
Unser Bus hatte Kurs auf Zusmarshausen genommen. Hier sollten wir im Hotel Krone Quartier beziehen. Und an dieser Stelle muss ich die ausgezeichnete Organisation des Ehepaars Tauscher hervorheben. Schon während der Anfahrt am frühen Morgen bekam jeder seineZimmernummer mitgeteilt, sodass man nur noch den Schlüssel abholen musste. Zudem war jedem ein Merkblatt in die Hand gedrückt worden, wo alles Wesentliche über Land und Leute zusammengefasst war, sodass man entweder abends repetieren und/oder sich schon für den nächsten Tag schlau machen konnte. Auch unserem Busfahrer Ismael - schon von der Ausfahrt von vor zwei Jahren gegenseitig vertraut - gebührt ein kräftiges Lob: all die vielen Zwischenstationen, die die jeweiligen Tagesetappen unterteilten, steuerte er auf Anweisung von Norbert zielsicher an und kochte zwischendurch sogar noch Kaffee. Für die Teilnehmer, die - aus welchen Gründen auch immer - nicht die gesamte Strecke mitlaufen wollten, war in bewährter Weise wieder bestens gesorgt. Nach jeder Teil-Etappe, die nie länger als 2 Stunden dauerte, stand der Bus parat, um müde, vielleicht auch hungrige oder durstige Wanderer aufzunehmen.
Zusmarshausen ist ein kleiner Ort, doch groß genug, um alle Dinge des täglichen Bedarfs abzudecken wie z. B. meine vergessene Zahnbürste oder - wenn's denn sein muss - ein Paar Edeljeans. Das sollte am nächsten Tag noch von Vorteil sein.
Die Etappe des zweiten Tages führte uns weitere 17 km südwärts durch den Naturpark. Wir genossen viel, viel Natur, zunächst Wald, später Wiesen, auf denen Stuten mit ihren entzückenden Fohlen weideten, auch an einem Ziegengatter kamen wir vorbei und es wurden eifrig Fotos geschossen, von den Ziegen weniger für uns selbst als eher für die lieben Enkel daheim. Sehenswert war an diesem Tag das auf einer Anhöhe liegende Schloss Guggenberg, von dessen Fenstern man einen weitreichenden Ausblick haben musste. Uns war er leider durch eine Mauer verwehrt. Auf einem Waldparkplatz wurde Mittagsrast gehalten. Drei übereinandergestapelte Getränkekisten mit einem Pappkarton obendrauf diente als Kaffeetheke und Baumstämme boten zünftige Sitzgelegenheit. Im Freien schmeckte der Proviant, den wir morgens am Frühstücksbüfett eintüten durften, nochmal so gut. Nanu, was war da los? Unsere Wanderfreundin Sigrid war plötzlich umringt von Wandergefährten. Die Sohlen ihrer Schuhe hatten sich gelöst und hilfreiche Hände versuchten, sie zu bandagieren. Was die Leute so alles mit sich führen!! Unsere Sigrid jedenfalls konnte die Tour per pedes fortsetzen. Doch leider hielt die Verschnürung nicht lange der Belastung stand und Sigrid kam auf den Felgen - wollte sagen auf den Brandsohlen - daher. Wie gut, dass bald darauf schon wieder der Bus bereitstand.
Kirch Siebnach war der Endpunkt der Tour des zweiten Tages und wie der Name vermuten lässt, steht auch hier eine stattliche Kirche mit einem gepflegten Friedhof drumherum. Wir hätten sie gerne auch von innen besichtigt, sie war aber wegen Restaurierungsarbeiten nicht zugänglich. Doch etwas Sakrales musste noch sein an diesem Tag. Deshalb brachte uns der Bus nach Maria Vesperbild, einer der Größe des Parkplatzes nach zu urteilen bedeutenden Pilgerstätte, wo sich unweit der Wallfahrtskirche auch noch die sogenannte "Fatimagrotte" befindet, die auf mich persönlich wie eine Waldnische wirkte, angehäuft und überladen mit Teelichtständern, Kerzen in allen Größen und Bitttäfelchen.
Für eine Einkehr an diesem Wallfahrtsort verspürte niemand mehr Lust. Deshalb waren wir zeitig in Zusmarshausen zurück. Ich hatte Appetit auf ein Eis und wen traf ich auf dem Weg zur Eisdiele? Sigrid - mit einem Paar schicker nigel-, nagelneuer Wanderschuhe! Sie war gerettet! Sogar ein Schuhgeschäft fand sich am Ort!
Dritter Tag: Er begann dort, wo wir am zweiten aufgehört hatten - in Kirch Siebnach. Der Waldweg, den wir später beschritten, nannte sich "Stauden-Meditations-Weg", doch bei knapp 50 Leuten ist an Meditieren nicht zu denken. Horst jedenfalls ließ sich nicht abhalten und sorgte für Heiterkeit, indem er seinen Anorak in einen Kilt verwandelte, nur die entblößten Beine guckten hervor und was sonst noch so unter einem Kilt steckt, weiß man nicht genau. Heute wurde auf einem Mäuerchen an einem stillgelegten Bahngleis gevespert, aneinandergereiht wie Spatzen auf einer Stromleitung. Und dann galt es die Zusamquelle zu entdecken, der Ursprung des Flüsschens, das Zusmarshausen seinen Namen gab. Unterwegs wurde noch ein hölzerner Turm, der Scheiner-Turm, von dem sich eine gute Rundumsicht bietet, bestiegen. Er trägt seinen Namen nach dem um 1574 in Markt Wald geborenen Christoph Scheiner, Forscher und Erfinder auf dem Gebiet der Astronomie und Optik. Nachdem wir Zusamquelle und einen Sendeturm passiert hatten, wurde unser Fahrer Ismael als Späher losgeschickt, um in Erfahrung zu bringen, ob denn der Berghof bei Tussenhausen offen sei. Und siehe da, wir waren willkommen und fühlten uns in dieser hübschen Gaststätte mit Aussicht von einer Terrasse oder innerhalb eines Glasanbaus pudelwohl.
Für den Abend, unserem letzten, hielten Tauschers noch eine Schmankerl bereit. Sie hatten eine einheimische Familie verpflichtet, die auf den Instrumenten Gitarre, Zither, Akkordeon und Hackbrett eine anheimelnde Stubenmusik zelebrierte. Die altvertrauten Volksweisen luden zum Mitsingen ein.
Und am nächsten Morgen ging es schon wieder ans Kofferpacken. Von unserem Quartierstandort hatten wir uns ,wanderstreckenmäßig' schon so weit entfernt, dass der Bus anderthalb Stunden brauchte, um zum Anschlusspunkt des Vortages zu gelangen. Wir hatten am gestrigen Tag bei Tussenhausen das Ende des Naturparks Augsburgs Westliche Wälder erreicht und bewegten uns jetzt nur noch auf dem mit einem blauen X gekennzeichneten Schwäbisch-Allgäuer Wanderweg, der von Augsburg bis Sonthofen reicht und der uns auch durch den Naturpark geleitet hatte. Die St. Anna-Kapelle lag auf unserem Weg, sie ist historischen Ursprungs, die jetzige ist aber als Ersatz für die Zerstörte erst im Jahr 1926 erbaut worden. Die Landschaft hatte sich geändert, sie war nicht mehr wellig, sondern eben, mit weitreichender Sicht. In Schöneschach wurde neben Bus und unter einer 400-jährigen Friedenslinde eine Pause eingelegt. Zwei Teilnehmer wurden vermisst und dieser Schwund musste erst wieder eingesammelt werden. Anschließend begaben wir uns auf die allerletzte Etappe unserer Frühjahrsexkursion. Dabei verließen wir nun auch unseren blaugeixten Fernwanderweg, der hinunter nach Bad Wörishofen geführt hätte. Wir schlugen den Weg nach Hartenthal ein, wo wir in der Gaststätte Hartenthaler Hof bereits erwartet wurden, Irmi und Norbert hatten reservieren lassen. Die beiden hatten mit dem ihnen anvertrauten Geld so hervorragend gewirtschaftet, dass sie uns dort freihalten konnten und so wurde diese Einkehr ein gelungener Abschluss unserer 4-Tages-Fahrt. Das Gasthaus liegt auf einem Hügel und der Name Hartenthal bedeutet ,Hart am Thal'. Man hat von dort eine wunderbare Weitsicht über das Allgäu hinweg bis zu den Gipfeln der Alpen. Wo unsereins noch kaum unterscheiden konnte, was nun Bergkette und was noch Wolken waren, erklärte uns Norbert mit seinen unerschütterlichen geographischen Kenntnissen das gesamte Alpenpanorama. Und das Bemerkenswerte an der Sache ist: was wir nicht zu hoffen gewagt hatten, war eingetreten. Es war uns vergönnt, dass wir klare Sicht bis zu den Alpen hatten!
So, und nun wird es Zeit noch ein paar Worte über das Wetter zu verlieren. Unsere schlimmen Befürchtungen hatten sich nicht bewahrheitet. Während der ganzen vier Tage mussten wir nicht ein einziges Mal bei den Wanderungen den Schirm aufspannen! Wenn es regnete, dann nachts und da mitunter kräftig, auch als wir am zweiten Tag von der Wallfahrtsstätte kamen, prasselte es los, aber wir saßen bereits trocken im Bus. Wir hatten ein Glück, dass man es fast einem Sechser im Lotto gleichsetzen könnte und wer auf der Heimfahrt nach Ludwigsburg aufpasste, konnte die Steine von Irmis und Norberts Herzen plumpsen hören.
Dorothea Göhler
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