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Rückblick auf die Wanderung
im Stromberg
vorverlegt auf den 7.3.2010
Nach Neuschnee und einem unfreundlichen Samstag war die Teilnehmerzahl am Sonntagmorgen erfreulich hoch. Bei eisiger Kälte bestiegen 27 WanderfreundInnen die Regionalbahn und verließen sie nach 3 Stationen schon wieder. In Sachsenheim begrüßte uns Wanderführer Heinz Hess auf seine gewohnt nette Art, um sich dann an die Spitze zu setzen und seiner ebenfalls „wanderführenden“ Frau Irene die Nachhut zu überlassen. Der Weg führte am Steinbruch vorbei und den Kirbach entlang. Die Sonne schien strahlend vom blauen Himmel und ließ den Schnee diamantengleich glitzern und funkeln. Es ging über Wiesen und Äcker, an Höfen vorbei zur Domäne Rechentshofen. Hier hatte Heinz Hess einiges Informative für uns parat: der niedrigadelige Herr Belrein vom Eselsberg gründete im 13. JH bei den fränkischen Siedlungen Hohenhaslach und Horrheim ein Frauenkloster, wohl in erster Linie, um seine Tochter Berchtrad daselbst zur Äbtissin zu machen. Die frommen Frauen standen dem Zisterzienserorden und dem Kloster Maulbronn nahe, wo sie 1267 auch formell eingegliedert wurden. Nach der Reformation, der sich Herzog Ulrich schon sehr früh anschloss, wurde das Kloster aufgelöst. Es waren unruhige und wechselvolle Zeiten, doch nach einer versuchten Neugründung unter vorübergehend nochmals katholischer Herrschaft wurde es endgültig zur Staatsdomäne des Hauses Württemberg. Sporadisch öffnet die jetzige Pächterfamilie Essich ihre Pforten und lädt – wie demnächst wieder am 27./28.3.2010 – zu historischen Führungen zur Grablege der Belreins in der Krypta unter der ehemaligen Kirche, sowie zu Kunstbasaren, Verköstigungen und Kinderaktivitäten ein. Weiter ging es zu einem mit frisch beschnittenen Kopfweiden umstandenen Weiher, wo wir mit Blick auf Hohenhaslach eine Apfelpause einlegten. Es war so kalt, dass einige von uns Mühe hatten, mit den klammen Fingern Thermosflaschen und Vesperdosen zu öffnen oder Kameras zu bedienen. Nun ging es die steile Weinbergtreppe hinauf zum eigentlichen Ort, von wo aus man eine wahrhaft fantastische Aussicht unendlich weit ins Ländle hat. Die Kelter links liegen lassend kamen wir an einem „geologischen Fenster“ vorbei, wo eine Infotafel das Wie, Wann und Warum dieser Bodenschichten erklärte. Der höchste Punkt der Wanderung war bald erreicht. Es lief sich gut auf dem festgetretenen Schnee, und viele Tierspuren gingen durch die kahlen Weinberge mit den zurück geschnittenen Ruten. Überraschend viele Hasen schienen sich hier zu tummeln, ließen sich aber leider nicht blicken. Heinz H. erzählte von den Jagdgewohnheiten der württembergischen Herzöge und des ersten württembergischen Königs, die nicht besonders sportlich waren. Von bequemen Ansitzen aus schoss man aus den von Leibbüchsenspannern geladenen Waffen auf das von den Untertanen zusammen getriebenen Wild. Die Festlichkeiten danach waren ohnehin wichtiger. So gab es neben den Jagdschlössern Favorite, Monrepos und Freudental auch auf dem Schönenberg als einer exponierten Stelle ein solches, das man aber nach kurzer Existenz – als der nicht so jagdbesessene König Wilhelm I das Interesse daran verloren hatte – kurzerhand auf zahlreichen Ochsengespannen als Bärenschlösschen an die Stuttgarter Bärenseen„umsetzte“.
Wir hielten uns länger an dieser sonnigen Stelle auf und genossen die Aussicht. Im Weiterwandern kamen wir an ein Schild, das auf die Vögelelinde aufmerksam machte. Ende des 18. JH hat sie ein hiesiger Bewohner gepflanzt, ehe er nach Missernten auf den Feldern und in den Weinbergen mit zahlreichen Leidensgenossen nach Amerika, dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten, auswanderte. Wir verließen den Höhenrücken und kamen runter in Sichtweite von Freudental. Hier statteten wir dem Denkmal für die treue Stute Helene, die den gewichtigen König Friedrich 17 Jahre lang getragen haben soll, einen Besuch ab und kamen nach einem kleinen Umweg durch Streuobstwiesen zum Landgasthof Birkenwald. Hier wurden wir zur allgemeinen Zufriedenheit sehr gut bewirtet und bedient. Klaus Ollig fand für uns alle wieder seine gewohnt launigen Dankesworte an das Wanderführer-Ehepaar. Wir erreichten nach einem kurzen Fußweg in den Ort den Bus nach Bietigheim und brauchten nicht lange auf die S-Bahn zu warten.
Dieser winterliche Sonnentag war rundum ein Vergnügen und wurde wie ein Geschenk empfunden.
(Gisela Seltmann)
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