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Rückblick auf die
Wanderausfahrt „Rhön 2010“
vom 3. bis 6. Juni 2010
Die Abfahrt am 3.6.2010 mit 33 Teilnehmern erfolgte um 7:30 Uhr mit dem (knallroten) „Zügel“-Bus. Über die Autobahn A 81 und ab Würzburg A7 erreichten wir gegen 10:30 Uhr unseren Ausgangspunkt für die 8 km lange Wanderung ab „Hahnenknäuschen“. Es handelt sich um einen Park- und Rastplatz auf einer Passhöhe von 757 m inmitten der „Schwarzen Berge“. Die Schwarzen Berge sind das größte außeralpine Naturschutzgebiet (NSG) in Bayern mit einzigartigen Bergwiesen, Flachmooren, Magerrasen und naturnahen Wäldern. Das NSG ist Teil des von der UNESCO anerkannten Biosphärenreservats Rhön.
Für die erste Rast hatten unsere Wanderführer, Klaus und Ingrid Ollig, das Würzburger Haus auf dem Farnsberg ausersehen. Der Rhön-Klub hat über 90 Zweigvereine, wozu auch dieses Haus gehört. Schaut man auf die oft in großer Dimension gegenüberliegenden Höhenrücken und Gipfel, so kann man dem Slogan „Land der offenen Fernen“ nachspüren. Der Name „Rhön“ soll vom keltischen raino abgeleitet sein und bedeutet so viel wie hügelig.
Bergab erreichte die Wandergruppe das „Tintenfass“, ein tiefblauer Bergsee, der jedoch erst durch den Basaltabbau zustande kam. Das abgebaute Material wurde über eine Seilbahn ins Sinntal nach Oberriedenberg zum Basaltschotterwerk transportiert. Weiterhin ging es abwärts bis zum Dorf Riedenberg, wo uns der Bus erwartete. Auf unserer Weiterfahrt zum Eisenacher Haus legten wir einen Zwischenstop ein, um die einstige DDR-Grenzsperranlage bei Frankenheim kurz zu besichtigen. Ein Beton-Beobachtungsturm sowie Metallgitterzäune, teilweise mit Stacheldraht versehen, sowie weitere „Details“ sind noch vorhanden. Bei der Weiterfahrt fielen uns einige Hinweistafeln auf mit der Aufschrift „Hier waren Deutschland und Europa bis zum 24.11.1989 um 6:00 Uhr geteilt“, wobei die Zeit-Angaben außer der Jahreszahl unterschiedlich waren. Eine Markierung , welche die innerdeutsche Grenze symbolisierte, verlief quer über die Straße.
Gegen 16:30 Uhr erreichten wir unser Hotel, das Eisenacher Haus (800 m), das 1928 vom Rhönklubzweigverein Eisenach erbaut wurde. Es befindet sich auf dem Gipfelplateau der Gebirgskette des Ellenbogen. Wer sich für die hoch-interessante Vorgeschichte dieses Hauses interessiert:
Klaus Ollig hat eine Broschüre verfasst, in der alle Details des Eisenacher Hauses einschließlich der von der Stasi errichteten Abhöranlagen mit vier Radartürmen beschrieben sind. Alle vier Tagestouren sind reich bestückt an Informationen mit entsprechender Abbildung, wobei (DDR-) Geschichte genauso berücksichtigt wurde wie Geologie, Kultur und Botanik. Jeder Teilnehmer, hat eine Ausfertigung erhalten.
Nachdem wir unsere Quartiere bezogen hatten, traf man sich zum überaus reichhaltigen Büffet, um danach auf dem Ellenbogenplateau noch die Aussicht mit grandiosem Sonnenuntergang zu genießen. Auch hier, wie auf fast allen Wanderungen, war der höchste Berg der Rhön, die Wasserkuppe (950 m) sichtbar.
Die Tagestour für den zweiten Wandertag startete um 9:00 Uhr ab Eisenacher Haus. Die obligatorische versicherungstechnische Ansage von Klaus: „Fühlt sich jeder wohl – jeder geht auf eigenes Risiko“ musste vor jeder Wanderung angebracht werden. Zunächst wanderten wir durch ein größeres Waldgebiet. Es war besonders angenehm, früh am Morgen den kühl-schattigen Wald mit allen Sinnen zu fühlen und zu riechen. An der B 285 (Deutsche Alleenstraße), kurz vor Kaltensundheim stand unser Bus, der uns auf den Wanderstrecken begleitete, so dass keiner überfordert wurde. Auch ich benutzte den guten Service, um eine Etappe abzukürzen. Wir erwarteten die fleißigere Wandergruppe in Aschenhausen in der Thüringer Rhön am Fuße des Leichelberges. Nacheinander kamen gerade passend für unseren Hunger (oder Gelüste) zwei „fliegende Händler“, ein Bäcker und ein Metzger aus einem der Nachbarorte.
Das Bild derThüringer Rhön wird seit Jahrhunderten durch die Schafhaltung geprägt. So konnten sich durch die Schafbeweidung ausgedehnte Kalkmagerrasen und Wacholderheiden herausbilden.
Unser nächstes Ziel war die Hohe Löhr (638 m) ein Rast- und Aussichtsplatz des Bergmassivs der Hohen Geba. Der Gebaberg ist die höchste Erhebung der Vorderen Rhön. Die Bauern im Tal waren gerade dabei, ihr Heu unter Dach und Fach zu bringen. Dabei hatten sie große Flächen zu bewältigen. Die LPG macht’s möglich. Wir freuten uns jedenfalls an den Wiesen, die noch nicht abgemäht waren. Übrigens, die meisten Wiesen werden nur 1x im Jahr gemäht, manche sogar nur 1x in drei Jahren.
Verschiedene Storchschnabelarten standen farblich im Kontrast zum Schlangenknöterich, der Zypressen-Wolfsmilch – und je nach Höhe der Standorte, den Alpenveilchen und Trollblumen, sowie der meist beachteten Blume, der Orchidee, genauer gesagt den Knabenkräutern.
Das Wanderprogramm wurde zugunsten des Bergstübchens auf der Hohen Geba und seinem Besitzer Alex geändert. Dort saßen wir schön im Freien und stillten unseren Durst und den kleinen Hunger. Dieses Bergplateau wurde von der Sowjetarmee 30 Jahre lang, und zwar von 1961 bis 1991 als Horchposten genutzt und war für Besucher nicht zugänglich. Ein kleines Museum mit alten
russischen Uniformen. Patronentaschen, Blechgeschirr usw. konnte besichtigt werden.
Unser Busfahrer Karl brachte uns wieder sicher und mit neuen Eindrücken aufgeladen in unser Quartier zurück.
Nachdem wir wiederum sehr gut gespeist hatten, erläuterte uns der Seniorchef des Eisenacher Hauses, Herr Lechner, die Schönheiten der näheren Umgebung mittels eines Lichtbildervortrages. Er machte auf die Zonierung der UNESCO-Biosphärenreservate aufmerksam. Die Umsetzung für die Untergliederung in eine Kernzone, eine Pflege- oder Pufferzone und eine Entwicklungszone macht noch Schwierigkeiten, sie arbeiten daran. (Ohne Einhaltung der vorgegebenen Maßnahmen gibt es keinen Zuschuss.)
Am dritten Wandertag fuhren wir zum Parkplatz „Steinernes Haus“.
An diesem Tag waren wir in der Langen Rhön unterwegs, eines der größten Naturschutzgebiete Bayerns. Die Hochflächen sind Rückzugsgebiete vieler vom Aussterben bedrohter Tier- und Pflanzenarten. Hervorzuheben ist auch eines der letzten außeralpinen Birkenhuhnvorkommens Mitteleuropas. Außerdem ist die Lange Rhön Teil eines Fauna-Flora-Habitat-Gebietes und eines Vogelschutzgebietes im Europäischen ökologischen Netz „Natura 2000“ wie uns Klaus erklärte.
Unweit des Steinernen Hauses befindet sich ein renaturierter ehemaliger Basalt-Steinbruch. Auch hier wurde nach dem Abbau ein Basaltsee angelegt, der heute ein beliebtes Ausflugsziel ist.
Die Form der Basaltsäulen, die beim langsamen Abkühlen durch ihre Kristalle eine 3-, 4-, 5- oder sogar 6-seitige Säulenausbildung erhalten, weckte unser aller Interesse. Der Basaltabbau in der Rhön hat eine lange Tradition und wurde bei vielen Bauvorhaben, wie z.B. bei Autobahnen oder bei Küstenbefestigungen in Holland eingesetzt. Das Steinerne Haus (750 m) ist ein Wahrzeichen der Rhön, ein beeindruckendes Naturdenkmal, das für den vulkanischen Ursprung der Rhön steht. Heute sind jedoch die meisten Basaltwerke und Basaltsteinbrüche in der Rhön stillgelegt.
Unsere Tour ging hinab nach Oberelsbach , wo uns eine außerplanmäßige Buslinie (Karl) ein Stück des Weges nach oben in Richtung Thüringer Hütte brachte. Wir schlängelten uns im Gänsemarsch auf Waldpfaden hinauf zum Schweinfurter Haus, das ebenfalls zum Rhönklub gehört. Nach einer angemessenen Rast wurde noch gemeinsam ein Basaltsteinbruch in besonders großer und ausgeprägter Form (10 m hoch) besichtigt. In diesem Fall lagen die Basaltsäulen waagerecht übereinandergetürmt. Ursprünglich waren diese senkrecht geschichtet. Unterhalb der Prismensäulen liegt der Teufelskeller, ein Vulkanschlot.
Ein Teil der Gruppe ging weiter den Steilhang des Gangolfberges hinauf zur Thüringer Hütte, während eine abwärts gehende Gruppe den Bus aufsuchte, um zur gut besuchten Thüringer Hütte hinaufzufahren.
Nach unserer wohlverdienten Rast mit herrlichem Panorama-Ausblick traten wir den Rückweg zum Steinernen Haus an. Auf der Hochfläche begleitete uns eine wunderschöne Bergflora, u.a. mit Alpenveilchen, blauer Teufelskralle und blauem Eisenhut.
Am vierten Wandertag brachte uns der Bus zum Parkplatz „Haus auf der Grenze“ in der Nähe von der Bergstadt Geisa im Ulstertal. Klaus hatte für den letzten Tag einen Kollegen vom Rhönklub der Werraregion engagiert. Peter Heim erklärte uns die Kuppenrhön, die durch steile, bewaldete Inselberge charakterisiert ist. Vom Parkplatz aus konnten wir 9 Bergkuppen ausfindig machen.
Wir wanderten auf dem ehemaligen Grenzweg, heute als Grünes Band gekennzeichnet. Hier haben sich nährstoffarme und offene Lebensräume gebildet, wovon auch die traditionelle Schafbeweidung profitiert. Point Alpha war ein amerikanischer Beobachtungsstützpunkt, ein Verteidigungskonzept der NATO. Am 3.10. 1990 fand in diesem Bereich eine große Feier anlässlich des Tages der Deutschen Einheit statt. Wer hierüber mehr Informationen möchte, siehe Begleitprospekt von Klaus Ollig.
Den sogenannten Kreuzweg oder auch Weg der Hoffnung säumen
14 Skulpturen. Mit jeder Station symbolisiert der Künstler eine andere Entwicklung, z.B. Willkür, Unterdrückung, Zwang, Entsetzen, Gewalt.
Die 14. und letzte Station steht für Hoffnung.
In der Nähe von Wiesenfeld, einem Ortsteil von Geisa, an einer Mariengrotte legten wir eine Pause ein. Wir empfanden doch zunehmend das schwüle Wetter. Und so freuten sich alle, als wir in Geisa eintrafen. Peter Heim führte uns noch kurz durch seine Heimatstadt, die über viele historische Bauten verfügt, ehe wir in der Gaststätte zur Linde das von Ingrid vorab bestellte Essen im Biergarten zu uns nahmen.
Klaus bedankte sich bei Regionswanderwart (Werra) Peter Heim für seine von großem Wissen und Erfahrungsschatz geprägten Ausführungen.
Gegen16:00 Uhr traten wie die Heimreise an.
Fazit: 4 Schönwettertage, in denen wir die Rhön im Dreiländereck Bayern, Hessen und Thüringen näher kennen lernen durften. Den Wanderführern Klaus und Ingrid Ollig, die ein fürsorgliches Team bildeten, ein herzliches Dankeschön für die unvergesslich schönen Tage.
(Gertrud Wieland)
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