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klicken zum VergrößernRückblick auf die Wanderung
"Mössingen - Belsen - Olgahöhe - Mössinger Bergrutsch - Hirschkopf - Dreifürstenstein - Belsen"
am 14. August 2011

"Ein nebliger Morgen, Nebelschwaden und regenschwere Wolken hängen in den Steilhängen der Schwäb. Alb. Gespenstische Ruhe am Hirschkopf. Doch plötzlich rumort es im Boden, leichtes Zittern ist vernehmbar. Dann gerät der Berghang in Bewegung. Lautes Krachen und Knacken, Bäume zersplittern und rutschen senkrecht stehend zu Tal. Gesteinsbrocken stürzen von den Hängen und bersten beim Aufschlag mit ohrenbetäubendem Lärm auseinander. Der Berg rutscht und sackt scheinbar in sich zusammen. Eine Naturkatastrophe unvergleichlichen Ausmaßes bahnt sich an."

So etwa beschreibt der Bergrutsch-Experte Armin Dieter die Naturkatostrophe. So oder so ähnlich könnte sich der größte Bergrutsch Baden-Württenbergs seit mehr als 100 Jahren abgespielt haben. Keiner weiß es, denn es gibt keine Ohren- und Augenzeugen. Erst als sich die Nebel verzogen haben ist das Ausmaß des gewaltigen Erdrutsches sichtbar.

klicken zum VergrößernIn dieses Umfeld will die Gruppe aus Ludwigsburg heute wandern. Mit dem Wanderführer-Ehepaar Klaus und Ingrid Ollig geht es von Mössingen (774 erste urkundliche Erwähnung, mit wechselvoller Geschichte, Kriegszeiten, Auswanderungen, nach langen Jahren des Stillstands dann wieder Aufschwung der Region und seit 2009 Große Kreisstadt) zum Vorort Belsen mit seiner auf einer Anhöhe liegenden Kapelle St. Maximus und St. Johannes. Das Kirchlein ist bereits vor 1150 erbaut. Forschungen ergaben aber, dass die Kapelle auf wesentlich älteren Fundamenten errichtet wurde. Auch am Westgiebel angebrachte verwitterte Steinfiguren, Kreuz und Stier- u. Widderköpfe, auch eine menschliche Gestalt, lassen Deutungen bis hin zu keltischer Siedlungsepoche zu.

Über Wiesen und weite Obstbaumlandschaft, geht es weiter. Aufwärts, hinein in die großen Hangwälder um Farrenberg (Segelfluggelände) und Heuberg. Immer wieder geht der Blick hinauf zum im Wald liegenden Bergsturzstelle. Bei der Olgahöhe ist dann nächste Pause. Der heiße Sommertag und der Anstieg ist schweißtreibend. Jetzt im Wald, geht es dann hin zur Abrutschstelle unterhalb des Hirschkopfes.

klicken zum VergrößernAuf Informationstafeln ist das ganze Ausmaß des Bersturzes erläutert und dargestellt, auch Wanderführer Klaus Ollig unterrichtet die Wandergruppe über den Bergrutsch. Am 12. April 1983 stürzten 5-6 Mill. Kubikmeter Erde und Gesteinsmasse zu Tal. Anhaltende Regenfälle ließen die auf weichen Mergel- und Tonlagern liegenden harten Kalkgesteine abrutschen. Die Kieswüste weist in der Folgezeit keine Humusschicht mehr auf, keinerlei Pflanzen- und Tierwelt war mehr vorhanden. Man sprach von einer "biologischen Nullzone". Pflanzliches und tierisches Leben mußte sich neu ansiedeln. Zahlreiche bedrohte Tier- und Pflanzenarten fanden neuen Lebensraum. In der Steilwand brüten der gefährdete Wanderfalke und der seltene Kolkrabe. Nach fast 30 Jahren steht die Wandergruppe jetzt aber in einer Busch- und Waldfläche, wohl ist der Untergrund steinig, zerrissen, doch fast ist wieder ein Normalzustand der Natur zu beobachten. Freie Flächen wachsen zu, kleine Pflanzen werden von größeren verdrängt. Tiefer zur Abbruchstelle hin ragt jedoch die riesig hohe Kalksteinwand vor dem Betrachter auf. Hier ist das Ausmaß des Sturzes deutlich sichtbar und zeigt auf, dass in Zukunft sich noch einige Abbrüche ereignen können. Die aus der Nullzone entwickelte Tier-und Pflanzenwelt hat sich zurückgebildet. Der Wanderweg im Naturschutzgebiet und seit 2006 "Nationales Geotop", geht jetzt in vielen Kehren steil bergan zum Hirschkopf, wo der Pfad vorbeigeht an der Abbruchstelle und über die jäh in die Tiefe abstürzende Felswand. Vorsichtig wagt man sich an den Rand und blickt schaudernd in die Steinwüste, in die mächtig aufgeschichtete und verwitterte Kalksteinwand.

klicken zum VergrößernEine Vesper- und Ruhepause an sonniger Stelle ist willkommen. Dann geht es, immer nahe der Abbruchfläche, weiter. Mit Ausblick in die grüne Landschaft um Mössingen und immer wieder faszinierenden Blick in die gelbweiß leuchtende Kalksteinwand. Auf schönem sonnigem Waldweg, fast eben, dann wieder aufwärts kommt man zum Dreifürstenstein. Der markante 854 m hohe Bergvorsprung, der nach drei Seiten steil abfällt, bildete bis 1806 ein Dreiländereck. Das Territorium von Fürstenberg, Hohenzollern und Württemberg. Man hat herrlichen Ausblick. Im Tal liegt das kleine Beuren und markant über Hechingen die Zollernburg. Die Landschaft mit viel Waldgebiet, vielen Obstbaumwiesen leuchtet vielfältig grün zu den Beschauern herauf. Weit hinten ist die Wurmlinger Kapelle im Blickfeld. Die vom Schwäb. Albverein betreute Schutzhütte lädt zu gemütlichen Rast ein.

klicken zum VergrößernDann geht es durch den Heubergwald ins Tal hinab. Steinig, steil und in vielen Kehren, kommt man zu einem luftigen sonnigen Rastplatz der nach dem anstrengendem Abstieg gerne angenommen wird. An reich Frucht tragenden Obstbäumen vorbei wird wieder Belsen erreicht. Dort findet man in ländlicher Gaststätte, der "Sonne", gute Einkehr. Die Wanderfreunde sind sehr zufrieden mit dem Tag, sind beeindruckt vom Erlebnis "Bergsturz" und voll des Lobes über die schöne Naturlandschaft, welche man heute durchwandern konnte. Überdies wurde der Tag von der Sonne verwöhnt! Dem Ehepaar Ollig wurde deshalb herzlich gedankt für den gut vorbereiteten, erlebnisreichen und umsichtig geführten Wandertag.

Wolfgang Staudenmayer